Wir, ich und Du

Sonntag, 20. Juli 2008

ALLES SCHIEN MÖGLICH

Wir haben sie gemeinsam geflickt, unsere Wunden. In dunklen Ecken saßen wir und versuchten die Nähte so gerade wie möglich zu machen. Wir haben uns gegenseitig dabei geholfen die Narben schneller verheilen zu lassen. Wir konnten gemeinsam schweigend nebeneinander sitzen, weil wir nie das Bedürfnis hatten eine angenehme Stille durch zwanghaftes Geplapper zu unterbrechen. An manchen Tagen blickten wir reumütig auf vergangene Zeiten und was wir wann wo und wie besser hätten machen sollen und können. Oder analysierten, wann wir unsere Geduld überstrapazierten und wann wir noch ein wenig mehr davon hätten investieren müssen. Die Wahrheit ist, dass hätte nie etwas am Verlauf der Dinge geändert. Die Wahrheit ist, wir konnten nicht mehr still sitzen, auf unserem Leben, dass wir so gemütlich unter uns platziert haben. Niemand konnte bestreiten, dass wir nicht versucht haben zu beweisen. Beweisen, dass wir es drauf haben. Als wir anfingen, auf jene Tage zurück zu blicken in denen wir anders waren und das uns besser vorkam, als das was wir heute darstellen, begriffen wir auch gleichzeitig. Wir waren nie besser. Wir waren nur anders. Die Wahrheit ist, es war uns egal, weil wir immer authentisch geblieben sind. Selbst dann, wenn wir nur so taten, als ob.

Jetzt stehe ich vor deiner Wohnungstür, fühle mich verraten und verkauft. Steh vor der Tür und trau mich nicht mehr rein. So lange habe ich es geahnt, aber mich auf den Moment vorzubereiten war unmöglich. Habe geahnt, habe verdrängt und jetzt, wo es so weit ist, kann ich die Gedanken kaum noch ertragen. Lange sah die Wohnung so aus, als wärst du nur kurz gegangen, kämst gleich wieder rein. Die einzige Erkenntnis, die bleibt, ist die, dass man sich nicht darauf vorbereiten kann. Man kann sich nicht darauf vorbereiten, dass jemand einfach geht. Geht und mir Erinnerungen hinterlässt, die im Moment weh tun, statt sich in der Schönheit zu entfalten, deren Wert sie eigentlich haben sollten. Du bist kein Verräter und doch halte ich dich für einen.

Deshalb erkläre dich nicht, denn diese Sätze helfen niemanden. Diese Sätze helfen nur dir und niemals dem, der sie hört. Verschwende deinen Atem nicht mit Wörtern, wie „Besuch“ und „Urlaub“ und „Weihnachten“, die alle die Absicht eines Wiedersehens implizieren. Sag nicht „Ich bin ja nicht aus der Welt“ wenn du dich in Wirklichkeit aus meiner Welt heraus schneidest, wie etwas, dass man einfach hinter sich lassen kann. Lüg die Wahrheit nicht schön, wenn du genau weißt, dass sich in dem Moment deiner Entscheidung etwas zwischen uns drängen wird. Es wird immer in der Luft hängen, dieses Gefühl. Bei jedem Wiedersehen. Blickwinkel werden sich verschieben. Emotionen werden sich verändern und das Gefühl für uns und unsere Freundschaft wird einen Riss bekommen, der auf den ersten Blick nicht sichtbar ist, aber in der Empfindung so spürbar, dass er weh tun wird.

Wie du dich entscheidest, ist nicht beeinflussbar. Du wirst irgendwann zu dem Entschluss kommen: So, das war´s. Dann wirst du gehen. In eine von den zwei Richtungen, die dir offen stehen. Wir werden am Abend deiner Entscheidung alle da sein, so wie du es dir gewünscht und geplant hast. Wir werden essen, trinken und über alle schönen Themen reden, die uns einfallen, bis du uns deine Entscheidung mitteilst. Vermutlich hast du dabei ein Glas in der Hand, wie man bei wichtigen Entscheidungen doch immer ein Glas in der Hand hält. Man wird dir zuprosten, was auch immer du sagst. Nur ich, ich werde dir in einem Fall nicht zuprosten. Weil ich es nicht über mich bringen kann. Ich werde dir in diesem Moment alles Gute und alles Schlechte gleichzeitig wünschen.

Alles Gute, weil es meine gottverdammte Pflicht ist, als Freundin und weil man in einer Freundschaft den eigenen Egoismus auch mal beiseite schieben muss. Alles Schlechte, weil sich der Egoismus nicht immer verdrängen lässt und ich mir wünschen werde, dass nicht alles nach deinem Plan läuft, sodass du wieder nach Wien zurück kommen musst. Und das fühlt sich lächerlich, dumm und verbittert an, aber wir haben uns mal geschworen nie ganz erwachsen zu werden und nie aus dem Leben des Anderen zu verschwinden. Ich weiß, es ist dein „next big thing“, dieses Leben im Big Apple und es fällt mir schwer jetzt nicht irgendwas kaputt zu schlagen.

Ich vermisse nämlich jetzt schon, wenn du zu mir an einem guten Tag, der irgendwann immer auf eine dieser Phasen folgt in denen wir das Leben im Allgemeinen und jeden einzelnen Tag im Besonderen verfluchen, im sarkastischen Ton sagst:

„Wieder ein finsteres Tal durchschritten. Prost.“

Und ich lache mich dann halbtot und es fühlt sich gut an.

Ich bin wirklich nicht glücklich über deine Erwägung, die wir alle schon ahnten, bevor du sie uns nach einem halben Jahr deiner Abstinenz vor den Latz geknallt hast. Ich bin auch nicht glücklich, dass ich mich zu diesen gruseligen Gedanken und Gefühlen hinreissen hab lassen, aber es kann sich in meinem Kopf eben nicht immer alles nur um modischen Firlefanz, Party und meine Lieblingsbar drehen. Ja, das finde ich auch sehr schade.

Alles schien möglich. Alles scheint noch möglich. Wie auch immer du dich entscheidest: Hauptsache ist, es tut dir nicht leid.

Sonntag, 15. Juni 2008

VON MENSCHEN, BÄUCHEN UND GEHIRNEN

Es gibt Menschen, die schleichen sich so langsam und behutsam in dein Leben, dass du es erst dann merkst, wenn sie für dich ein Teil davon geworden sind.

Es gibt Menschen, die begleiten dich schon länger als ein ganzes Jahrzehnt und sind immer da. Du kannst dich gar nicht genau daran erinnern, wann aus dieser Bekanntschaft tiefe, ehrliche Freundschaft geworden ist, und verschwendest keinen Gedanken daran, dass irgendwann irgendwas passieren könnte, das einen Keil zwischen euch treibt und man sich vielleicht nie wieder sieht. Diese Menschen sind da. Immer. Wenn etwas passiert, vor dem du Angst hast, oder dass dich zum Lachen bringt. Bei einem guten Konzert, einer feuchtfröhlichen Party. Sie sind da, wenn du die Welt aus den Angeln hebst und sie sind da, wenn deine Welt gerade in Trümmern liegt und du unter Tränen all die kleinen Splitter aufhebst um sie nachher wieder zusammenkleben zu können. Du rufst eine deiner besten Freundinnen Samstags um 8 Uhr Früh an, weil du eine schöne Nachricht mit ihr teilen willst. Dir ist im ersten Moment gar nicht bewusst, dass sie einem Herzinfarkt nahe ist aus Sorge, dass etwas Schlimmes passiert ist. Immerhin kennt sie deine Schlafgewohnheiten so gut, dass es nicht in den von ihr gewohnten Rhythmus passt, wenn du sie frühmorgens anrufst. Sie wägt dich um 8 Uhr Früh im winterschlafähnlichen Zustand im Bett. Nachdem der erste Schock aufgeklärt werden konnte, freut sie sich mit dir.

Es gibt Menschen, die können dich zum Lachen bringen. Selbst dann, wenn dir eher danach zumute ist wie ein Ölgötze auf deiner Couch zu sitzen und erst mal die Diagnose zu verarbeiten, die dir drei Stunden zuvor vom Arzt gestellt wurde. Aber die Art und Weise, wie diese Menschen dann ihre eigene Geschichte zum Besten geben und zwar mit einem absolut unaufgesetzten Humor, sie sich einfach geben, wie sie eben sind und dich damit zum Lachen bringen, dass sind dann auch die Menschen, die das selbe Ergebnis schaffen, wenn du gerade erst aufgestanden bist und du in dieser Zeit normalerweise eher einem angriffslustigen, ausgehungerten Gremlin gleichst.

Es gibt natürlich auch jene Menschen, denen man schon von der Weite dass „Ich bin ein Arschloch“ auf der Stirn ansieht und mit denen man sich trotzdem für einen begrenzten Zeitraum gut versteht. Bis man zu jenem Punkt gelangt, an dem man sagen muss: „Verdammt, ich hab´s doch von Anfang an gewusst. Ein Arschloch!“ Da muss man dann drüber stehen und einfach annehmen, dass man es zwar besser gewusst hat, aber all die Zweifel zur Seite geschoben und verdrängt hat. Man kann eben nicht seinem Verstand folgen, der da schon eine ganze Zeit brüllt und tobt, wenn man eigentlich mit dem Bauch denkt. Ist halt so. Ist ja auch egal. Weder der Verstand, noch der Bauch haben immer Recht. So bringt mich mein Bauch immer dann in eine missliche Lage, wenn er vor lauter Hunger einen fetten Burger einfordert. Manchmal gebe ich nach. Unmittelbar nach dem Verzehr hat man das Gefühl die Verpackung und als Beilage ein paar faustgroße Steine gegessen zu haben. Der Bauch leidet und das Hirn sagt: Ich hab´s dir ja gesagt, aber scheinbar schreie ich nicht laut genug um gehört zu werden. Aber was soll´s, sind wir halt wieder mal in so einer Situation in der wir nach dem altbewährten Rezept verfahren, auch wenn wir uns getäuscht haben: Immer lächeln und winken.

Sonntag, 4. Mai 2008

Wir, ich und Du (Ronny & me)

Wir
Wir lächeln. Wir machen Nächte durch, unabhängig voneinander und doch ist die andere immer irgendwie dabei. Wir feiern und flennen manchmal gleichzeitig. Wir streiten uns nicht um Jack Sparrow oder Will Turner, weil ich Jack begehre und du Will vergötterst. Trinkt aus Piraten, YO HO! Unsere Probleme wälzen wir aus oder kehren sie unter den Teppich. Je nachdem, wonach uns gerade der Sinn steht. Würde jemand mal einen Zipfel dieses Teppichs hoch heben, was wir uns insgeheim vielleicht wünschen, kämen ihm eine Horde Neurosen, verkniffene Sätze, verpasste Gelegenheiten, denen wir nachtrauern, verheulte Erlebnisse und begrabene Wünsche entgegen. Allesamt wild schreiend, mit Zigarette in der Hand und sich Bier über den Kopf schüttend.

Wir machen es niemanden leicht, der uns durchschauen will. Wer hartnäckig bleibt, den lächeln wir freundlich an und lotsen ihn weiter in unser intellektuelles Vorzimmer, in dem es nichts als Oberflächlichkeiten gibt. Nichtssagende Gesprächsthemen und im schlimmsten Fall droht dem Neugierigen die totale Abweisung. Irgendwann haben wir gelesen „Alles ist gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende.“ Es wurde unser Dogma. Vielleicht sind wir schon so weit sagen zu können: Uns haut nichts mehr um. Und wenn doch? Egal. Jedes Mal, wenn wir auf die Fresse fallen, stehen wir doch noch mal auf. Einfach um mal zu gucken, ob da nicht doch noch irgendwas ist. Irgendwas gutes. Und dann finden wir auch etwas.
In kleinen Ecken hat es sich versteckt, wartet bei einem simplen Kaffee auf uns, oder wenn die Stadt in manchen Nächten friedlich daliegt. Ruhig, als könnte sie niemanden etwas anhaben. Dann haben wir das Gefühl, irgendwo angekommen zu sein. Wir lassen uns selten etwas sagen, bekehren oder bevormunden. Wir sind davon überzeugt, dass ein Fluch auf das Haupt eines jeden Menschen trifft, der versucht seine Freunde zu verkuppeln. Wir haben unsere Egos hin und wieder definiert, um die Definition dann doch wieder zu verwerfen. Mehr als ein Mal haben wir unsere Herzen auf den Tisch geknallt und gehofft, dass sich irgendjemand dieses kleinen, pumpenden Muskels annimmt.

Wir stecken da schon drin. Mittendrin. Und begreifen, was wir alles verabsäumt haben, weil wir nicht genau hingesehen haben, daran vorbeigelaufen sind. Wir haben die Ausfahrt verpasst und befinden uns manchmal auf einer ganz neuen Strecke. Manchmal drehen wir um und fahren die bekannte Strecke wieder entlang, nur um dann zu sagen: Kackt doch der Hund drauf! Biegen wir bei der Ausfahrt „Suburbia“ wieder ab. Hier ist es langweilig. Haben wir alles schon gesehen. Dann schwingen wir uns auf den Zeitgeistexpress und fahren eine Weile mit. Machen die Fenster auf und lassen unser Gesicht vom Fahrtwind streicheln, bis uns auch dieses Geruckel zu monoton wird und wir uns erst mal auf´s Ohr hauen. Eine Runde schlafen. Genug gesehen für die nächste Zeit. Daran können und wollen wir nichts ändern, daran gibt es auch nicht viel zu verstehen. Es passt uns eben gerade in den Kram. Wir nehmen uns eben Zeit um das Leben kennen zu lernen. Es lockt uns sowieso immer nach draußen, immer woanders hin und immer zurück. Dann ist klar: alles, so wie es immer war. Du hier und ich da.

Ich
Ich habe gesagt: Wenn die Verliebtheit verschwunden ist, dann entdeckst du am anderen die Kleinigkeiten. Und wenn diese Kleinigkeiten dich dann noch immer nicht stören, dann ist das erst die Liebe. Ich habe Heimweh. Tiefes, schmerzhaftes, ganz und gar ehrliches Heimweh. Aber bin ich erst mal da angelangt, an diesem kleinen Ort, der für mich eine ganze Welt ist und mir zum Millionsten Mal überlege, wie es wäre, würde ich Wien aufgeben, dann kann ich nie aus ganzem Herzen JA sagen. Ich komme nirgendwo an und bin nie richtig fort. Das ist Psycho, aber gut so. Ich hab´s gern so.

Ich kann meine Welt in drei Wörtern erklären und wenn jemand sagt, das ist zu wenig, dann definiere ich „zu wenig“ einfach um. Dieses Bild, das die meisten von mir haben – soll das wirklich Ich sein? Na dann herzlichen Glückwünsch! Da dreh ich mich lieber um und geh zu Leuten, die zugeben, dass sie nicht halten, was sie versprechen, weil sie selbst nicht glauben, was sie sagen. Ich kann nicht alles verstehen, nicht alles begründen und ich habe nicht auf alles eine Antwort. Aber ich schreibe über dieses Nichts und das alles mit einer Obsession. Für mich. Und wenn ich eines Tages am Neusiedler See, auf einem Barhocker oder inmitten von Leuten sitze, aufstehe und sage „Ich habe zu alldem nichts mehr zu sagen und nichts mehr zu schreiben.“, dann habe ich meine Schreiberseele begraben. Fortan würde ich nur noch grundlos durch das Leben gehen und nicht mehr zulassen, dass irgendjemand oder irgendwas in meinen Kopf kommt und Spuren in meinen Gedanken hinterlässt.

Du
Du bist die Coke Light Schwester und die Skype-Connection. Du bist die, die in Situationen in denen mein Hitzkopf mal wieder explodiert, Ruhe bewahrt und mit einer mir unverständlichen, endlosen Geduld das „Ausweg“ Schildchen hoch hält, bis alles wieder gut ist. Der größte Fehler an dir ist wahrscheinlich, dass du dir K11 ansiehst. Du bist mit zwei Dingen bedacht worden, die man eher selten an Frauen findet: Filmgeschmack und bösartigem Humor. Du hast so viel Humor, dass du dich manchmal auch selbst auslachen kannst. Manche Filme sind in meinem Kopf unweigerlich und bis in alle Ewigkeit mit dir verbunden. Zum Beispiel Bedazzled und Pirates of the Carribean 2. Manchmal sagst du Dinge, bei denen ich am liebsten rufen würde: Eine Machete für dein intellektuelles Dickicht! Und wenn du wieder mal meine Lasten mit trägst und dich mit meinen Feinden schlägst, dann würde ich am liebsten mit einem LKW bei dir vorbeikommen, beladen mit Coke Light, Mentos und Firn Zuckerln.

Donnerstag, 17. April 2008

WIR, ICH UND DU - M. & ME

Unser Streit ist heute längst verziehen. Und irgendwann vielleicht auch vergessen. Die Szenen der aufgebrausten Emotionen schießen mir unerwartet ins Gehirn. So wie heute. Ich schließe die Augen, aber sie verschwinden dadurch nicht. Im Gegenteil, ich träume manchmal davon, weil es das erste Mal war, dass ich Angst um unsere Freundschaft hatte. Sie lag für einen Moment in Splittern auf dem Fußboden. Verdammt, wir haben alles zum Teufel gejagt. Und nachdem wir beide so tief gefallen sind, begriffen wir erst, was wir da angerichtet haben. Für einen Moment lang, gab es keinen Weg nach vor und schon gar keinen Weg zurück. Wir lasen nur in unseren Gesichtern. In deinem stand der Zorn, in meinem die nackte Angst. Und der Friede mit uns und mit einem selbst, war nur eine Frage des Willens und abflauenden Emotionen.
And you may go, but I know you won't leave. Too many years built into memories…

Wir.
Wir sind Helden bei Nacht, manchmal auch Scharlatane. Tagsüber schwanken wir zwischen Euphorie und Schwermut, immer irgendwo zwischen Sein und Nichtsein. Manchmal halten wir uns für Genies und stehen im nächsten Moment als Trottel da. Unser Weg ist manchmal ein Highway und manchmal nicht breiter als ein Drahtseil. Wir können fast alle Lieder, die uns gefallen mitsingen. Und wenn nicht, machen wir einfach die Instrumente nach. Wir freuen uns auf warmes Wetter und Kaffe trinken am Naschmarkt. Wir sehen in peinlichen Situationen den Boden an, in der Hoffnung er möge sich gnädigerweise auftun und uns verschlucken. Wir fühlen uns in starken Momenten wie Giganten. Wir singen lauthals unser Sommerlied 2007 „Love Hurts“ bei jeder Gelegenheit. Wir haben Ringe unter den Augen, weil wir manchmal stundenlang durch Wien laufen und reden, statt zu schlafen. Der Weg ist weit und wir gehen die ganze Nacht. Wir fragen uns, wann wir das letzte Mal glücklich oder unglücklich waren. Wir haben auf alles eine Antwort. Irgendeine. Wir mögen Filme mit Adriano Celentano. Wir wissen, wenn der andere nur eine Umarmung und einen Frustkeks braucht, statt vieler Worte. Wir sind zu jeder Zeit, in jedem Land, jeder Stadt, jeder Situation nur einen Telefonanruf voneinander entfernt. Ich habe dir ein Mal eine Nachricht geschickt mit dem Inhalt: „Wer bin ich, wenn ich dich brauche in jedem Moment in dem ich das Gefühl habe, den Boden unter den Füßen zu verlieren? Wieso schaffe ich „meine Phasen“ nie aus eigener Kraft?“ Du hast nur geantwortet: „Ein Mensch. Ein Mensch bist du. Mein Lieblingsmensch.“

Du.
Du kannst noch staunen. Über vieles und nichts. Du kannst vergeben. Du hast gesagt, ich würde nicht auf die Kleinigkeiten deiner Person achten, was aber nicht schlimm wäre. Auch wenn du das belächelst und als belanglos erachtest, es hat mich getroffen. Denn ich habe dich in mehr als 10 Jahren Freundschaft beinahe auswendig gelernt. Wenn wir uns an manchen Sonntagen zum Frühstück bei dir treffen, bringe ich dir immer die Semmeln vom Mann mit. Du würdest auch die Anker-Semmeln essen, aber ich weiß eben, dass du für jene vom Mann stirbst. Dann schmierst du dir Primina Butter und Waldhonig drauf. Deinen Kaffe trinkst du mit warmer Milch und zwei Löffeln Zucker. Dein Lieblings-Shirt ist mehr als 15 Jahre alt und du hast es in Berlin gekauft. Als Jugendlicher hattest du eine Katze mit nur einem Auge. Du warst mit deinen Eltern im Tierheim und deine Mama hat dich zu den jungen Kätzchen gedrängt, aber dein Herz hatte jenes der Einäugigen längst erkannt. Du lässt dich eben nicht von Äußerlichkeiten blenden, auch wenn du oft gerade in diesem Punkt sehr neurotisch veranlagt wirkst. Du hast eine Schwäche für IKEA Kataloge. Im Sommer verbringst du deine Samstag Vormittage am Naschmarkt und manchmal, wenn wir bei den Ramschständen mit all dem Silberkram und vermeintlichen Antiquitäten angelangt sind, dann erfindest du Geschichten für mich und erklärst mir, was die dort ausgestellte Ware schon alles erlebt hat. Ich habe mich gebogen vor Lachen, als du zu einem der Standbesitzer, der uns sein Bild als „absolute Rarität“ verkaufen wollte, gesagt hast: „Jaja, ich kenne mich mit solchen Dingen sehr gut aus. Dieses Bild ist sicher aus der Epoche „Später IKEA“.“ Apropos Alt: Du hast von deiner The Cure CD „Disintegration“ über 10 Sicherungskopien auf CD gemacht, sollte sie mal kaputt gehen. Außerdem ist die CD noch auf dem PC abgespeichert und sollte sich dieser mal aus seinem irdischen Dasein verabschieden, hast du die Dateien noch auf deinem USB Stick. Ich weiß vielleicht mehr über dich, als du selbst. Und du kennst mich besser als ich. Du bist du. Du bist gut, so wie du bist. Du bist mit deinen schlechten, wie auch mit deinen guten Seiten vollkommen. Bitte werde nicht anders.

Aber, wenn du wieder wochenlang wegfährst, erfasst mich die kindlichste aller Traurigkeiten. Die Angst, dass du vielleicht nicht mehr zurück kommst.

E-Mail

goodkatblog[at]gmail[dot]com

Kommentare

hahahahhaa
martin und ich haben uns amüsiert. kommentar...
ronny (anonym) - 24. Jul, 12:12
Tontaubenschießen...
man muss sich die Szenerie ja mal umgelegt auf das...
mirno_more - 23. Jul, 17:47
HA!
Ein Jägersmann! Aber GottseiDank nur der Chef!...
Scholli (anonym) - 23. Jul, 14:33

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