Betrunkenes

Donnerstag, 7. August 2008

Martini-Momente

Herrlich, wenn man halbnüchtern im Büro sitzt. Irgendwie geht es auf diesem Blog sowieso nur noch um´s Trinken, was ihn zwar mit einer gewissen Erbärmlichkeit auszeichnet, dafür gewinne ich durch die verschiedenen hochprozentigen Erlebnisse überaus interessante Perspektiven und Einsichten.

Gestern zum Beispiel. Beim dritten Martini beschloss ich, dass es keinen Sinn hat sich über verschiedene Kartoffelköpfe zu ärgern, als zum selben Zeitpunkt mein Ex-Freund vor mir stand. Wie bezeichnend. Mit meiner neu gewonnenen, taoistischen Ruhe sah ich ihn friedfertig wie ein Ameisenbär an und lallte höflichst: "Was machst´n du da?"
Er meinte, er würde sich bereits eine ganze Weile auf dieser fürchterlichen Party herumtreiben und jetzt, wo er mich entdeckt hat, wird er mir auch nicht mehr von der Seite weichen, weil mich auszeichnet der einzige Nicht-Freak hier zu sein. Ich bedauerte mich selbst und schickte ihn gleich mal los zwecks Getränkebschaffung. Zurück kam er mit einer Pina Colada und einem Wodka Red Bull. Als er mir die Pina Colada in die Hand drücken wollte, hielt ich ihn am Arm fest und sagte: "EKELIGST! Das Weibergesöff kannst du selbst trinken. Gib mir das Wodkabüllchen."
So war der gute A. gezwungen das cremige Höllengesöff selbst zu trinken und während er den ganzen Obersschleim runter würgte machte er mir Vorwürfe, dass ich ihn immer absichtlich übersehen und ignorieren würde, wenn wir uns zufällig wo begegnen. Dabei könne man ihn ja gar nicht übersehen, immerhin ist er ja fast 2 Meter groß.

Leider ist es wirklich so. Also er misst fast zwei Meter UND ist schwer zu übersehen. Selbst wenn er einen halben Kopf kleiner wäre, seine auffällige Frisur hat beinahe schon eine eigene Persönlichkeit. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich das nicht absichtlich mache. Ich entdecke ihn wirklich selten, bevor er mich sieht. Ich glaube mein Unterbewusstsein hat ihn in meiner Wahrnehmung bereits automatisch ausgeblendet. Die Information gelangt nicht von der Netzhaut bis ins Gehirn, bzw. werden die Boten auf dem Weg ins Zentrum verfälscht. Beispiel gefällig? Nehmen wir an, A. stünde vor einer Wand. Dann sehen meine Augen ihn zwar vor dieser Wand, aber mein Gehirn vermittelt: "Alte, da is nur ne Wand. Geh weiter und starr da nich so hin. Los los, weitergehen hab ich gesagt!" Oder ich sitze in einem Lokal und sehe, wie sich zwei Menschen unterhalten. Einer von den beiden ist mein Ex. Dieses Szenario melden mir meine Gehirnrezeptoren aber: "Schau mal, da sitzt ein Irrer und redet mit sich selbst. Armer Trottel."
Jedenfalls ist mein Übersehen seiner Person keine bösartige Absicht. Es passiert halt. Das hab ich ihm gesagt. Irgendwie hat er es mir auch geglaubt. Er musste es mir auch glauben, denn ich habe ihm eröffnet, dass ich ansonsten damit beginnen würde, seine gesamte Existenz anzuweifeln und damit könnte er auch nicht hier sitzen bleiben, was wiederum zur Folge hätte, dass er sich bei den Freaks jemanden zum Plaudern suchen müsste. Also sprach er das Thema nicht mehr an.

Wir holten uns noch massenweise Nachschub vom Martini und lachten die anderen Partygäste aus. Einer fragte uns, ob wir uns für etwas Besseres halten würden. Wir antworteten einstimmig mit "JA". Dann haben wir uns beinahe angekotzt vor Lachen, hörten aber mit dem Lästern auf.

Betrunken spürt man immer diese seltsame Verbundenheit mit allen Menschen. Selbst beim Ex. Wenn es erst kurz nach Mitternacht ist und man nicht mehr so ganz geradeaus schauen kann, dann hat man alle gern, die zu diesem Zeitpunkt neben einem sitzen. Hat vielleicht was mit dieser "Gleiches Schicksal"-Psychologie zu tun, weil man ja selbst nicht mehr geradeaus gehen kann. Nur in einem Punkt hörte diese Verbundenheit schlagartig auf: Als er noch zur Würstelbude gehen wollte und sich mir allein beim Gedanken an den Geruch der Magen umdrehte. Und so verabschiedete ich mich und taumelte nach Hause.

Montag, 4. August 2008

You can feel it in the night. Oder dir ein Loch graben und darin verschwinden.

Was für eine Party! Überwiegend waren Personen anwesend mit denen ich nix anfangen konnte, was aber absolut nichts mit jener Freundin zu tun hat, die sie eingeladen hat.

(Liebe L., du bist meine W-LAN Schwester und Partymaus. Du bist Absolut und ich bin Vodka! Du bist Green und ich bin Island! Du bist Planters, ich bin Punch! Wir beide werden als Bartresen und Barhocker wiedergeboren! Klassisches dunkles Holz in einer klassischen dunklen Bar. Tausende Martinis werden auf uns abgestellt, Elvis- und RatPackmusik schallt aus den Boxen. Aber wann werde ich mich je an diese "Vampir"leute gewöhnt haben? Vermutlich nie! Aber wozu gibt´s schließlich Vodka Gimlet?)

Auch wenn es den ganzen Tag lang geregnet hat - die Götter meinten es dann doch gut und der Abend verlief "Freiluftpartytauglich".

Bier eignet sich hervorragend als Unterlage für alles, was man später noch in sich rein schüttet.

Irgendwann zwischen dem Bier und dem 3. Vodka Gimlet empfiehlt es sich eine Tüte Pommes zu sich zu nehmen. Das erhöht die Chance, dass man gegen 4 Uhr Früh aufwacht, die Innenraumtemperatur beträgt gefühlte 300 Grad und man versucht zwanghaft die aufsteigende Kotze im Magen zu behalten.

Herzlichen Dank auch an M., S., H. und den Typen, dessen Name mir entfallen ist. Euer Erscheinen war wie ein Licht am Ende eines langen Tunnels. Und die Frage, ob ich ins U4 mitkommen will...meine Güte, ich musste einen großzügigen Schluck von meinem Cocktail trinken um die aufsteigenden Tränen zu bekämpfen, die dieser Rettungsversuch in mir auslöste. Ihr habt einer (Er)Trinkenden den Rettungsreifen zugeworfen, ich konnte ihn nur leider nicht annehmen, weil ich in dieser Veranstaltung ja mit involviert war.

Und natürlich J. & M.! Der liebe M. hatte am Samstag dann doch etwas zuviel Alk im Turm und streckte bei der Heimfahrt einfach den Kopf aus dem fahrenden, nagelneuen Auto von J. und übergab sich. Selbstredend, dass das zwei Tage alte Auto somit eine neue Lackierung erhielt. Diese Story ist so herrlich - Ich habe mich vor Lachen beinahe selbst angekotzt.

Man sollte übrigens niemals nüchtern neben zwei aufgebrachten Teenies am Buffet stehen. Der Wortschatz, die Ausdrucksweise, der Kleidungsstil...man möchte sich einen stumpfen Löffel ins Herz rammen.
Nachhaltig beeindruckt hat mich die Aussage der einen Göre (nachdem sie lauthals ihren Freund zur Sau gemacht hat und danach wild kichernd mit ihrer Freundin duch die Gegend lief): "Oida, wir benehmen uns net so, wia ma ausschaun oida!" Damit meinte sie, dass die beiden so top angezogen wären, dass sie sich viel..naja sagen wir mal..."kultivierter" benehmen müssten. Ein "Oh doch, ihr benehmt euch schon so, wie ihr ausseht" lag mir als Antwort auf der Zunge, aber bevor ich den Mund aufmachen konnte, waren meine Pommes fertig. Das hat mich vermutlich davor bewahrt, dass mein Gesicht von der Proll-Ische zu Brei geschlagen wird. Pommes retten Leben!

Interessante Einblicke erlangte ich auch in die Psyche von World of Warcraft Spielern (kurz, WoW). Manchen Leuten ist die Sucht nach WoW an der Gesichtsfarbe abzulesen. Die leichenblasse Epidermis lässt darauf schließen, dass diese Personen ihre gesamte Zeit in verdunkelten Räumen verbringen und Sonnenlicht verabscheuen, genauso wie gepflegte Kommunikation. Es scheint auch, als müsste man diesen Leuten das Sprechen wieder beibringen. Die WoW-Süchtigen sind meist schwarz angezogen und sitzen trübsinnig in einer Runde, weil sie viel lieber zu Hause wären, als unter richtigen Menschen. Der leere Blick ist immer auf einen Punkt gerichtet. Auch die Wahl des richtigen Tonfalls scheint ein schweres Hindernis in der Kommunikation darzustellen. Auf meinen lallenden Hinweis, dass da hässliche Schuhe frauenlos herum stehen, brüllte man mich mit „Die gehören meiner Frau“ an. Bekam daraufhin verständlicherweise Angst und krallte mich an einer Bierflasche fest.

Personen, die bis 23 Uhr nicht auf einer Party auftauchen, sollte man dann auch nicht mehr fragen, ob sie noch kommen. Der gewonnene Eindruck dass diejenigen sich lieber ins Knie schießen würden, lässt auch bei deren Erscheinen nicht nach.

Man darf seinen Kater „Arschloch“ nennen, wenn er einen kratzt und somit aus dem wohl verdienten, komatösen Schlaf reißt.

Zwei Wasserflaschen á 1,5 Liter zu leeren ist noch lange nicht genug um den Durst nach einer versoffenen Nacht zu stillen.

Auch am übernächsten Tag nicht.

Ich mach ab sofort einen auf Königin und sage nur noch jeder dritten Einladung zu. Hoorray Hoorray!
Zum Schluss möchte ich auch allen danken, die gar nicht erst gekommen sind. Pissnelken!

Dienstag, 1. Juli 2008

MEINE STADT. MEINE REGELN.

Beim rumgurken durch Wien richtig froh gewesen, dass diese EM ein Ende gefunden hat. Die Stadt gehört wieder mir. Gut, es war absehbar, aber vier Wochen können manchmal verdammt lang sein. Vor allem, wenn man nicht mehr ungehindert zu den eigenen Stammlokalen kommt.

So wird schonmal aus einem geplanten "Kurz"-Treffen mit Bekannten zur „Die Stadt gehört wieder mir“-Feier in Verbindung mit Alkohol eine mittlere Katastrophe. Mein Kopf! Das hab ich gestern nicht wirklich alles gesoffen, oder? Vor allem: Das habe ich gestern nicht wirklich alles gesagt, oder? Wer hat eigentlich meine Rechnung bezahlt?

Die Kurzzusammenfassung:

Wieso stelle ich manchen Leuten eine Frage und höre dann eh nicht zu, wenn diese beantwortet wird? Bin ein schrecklicher Mensch. Total asozial.

Sich am Montag schon die Hucke voll laufen zu lassen zählt auch nicht unbedingt zu jenen Glanzleistungen, die ich später mal meinen Enkelkinder erzählen will. „Also Kinder, seid vorsichtig mit dem Alkohol. Macht es wie eure Oma. Vom 20. bis zum 27. Lebensjahr im Dauerrausch, aber dann is auch gut, nä?“

"Und du so? Solariumsüchtig? Oder Indianer als Vorfahren?"

"Der hat ein nettes Ding. Äh.. Ich mein Handy." - "Es wäre vielleicht von Vorteil für dich, wenn du dir einen Grundstock an Wörtern anlegst. Damit du weißt wie man alltägliche Sachen benennt und sie nicht unbedingt als "Ding" im Bezug auf einen Mann betitelst." - "Wieso?"

"Iff ab mir die Zunge verfrannt..Scheiffe tut daf weh."

Wieviele Aperol-Spritzer auf hungrigen Magen waren das eigentlich? Sieben? Zwölf? Und nochmal: Wer hat das bezahlt? Habe ich eigentlich gekotzt? Nein, hab ich nicht! Jetzt fällts mir wieder ein: Ich habe allen gesagt: Gott sei Dank bin ich über 25, sonst müsste ich jetzt kotzen.

Ich grüße alle die gestern dabei waren und mich kennen und alle die ich im Laufe des gestrigen Abends kennengelernt habe.

Ich danke der „Academy“ (Marius, Sebi und Helmi aka "HöööööööööööHIIIIIIIIICKSSSSSööömerl") für die glorreiche Unterstützung in meiner Glanzrolle als Verbalakrobatin. Manche erinnern sich an die Geschichte über dieses Weibsbild. Gestern war sie erstaunlich handzahm und meine Quellen verrieten mir, dass ihr Freund (nunmehr Ex-Freund) reißaus genommen hatte. Kein Wunder. Der arme Kerl musste sich ernsthaft Sorgen machen demnächst eine Hauptrolle in Aktenzeichen XY oder "Misery2" zu spielen - basierend auf (s)einer wahren Geschichte.

Jedenfalls dachte diese Mastdarmakrobatin sie könnte sich mit einem primitiven Eis bei mir einschleimen. Nun, das Eis habe ich gegessen und ihr dabei mehr oder weniger aufmerksam zugehört. Aus meiner Erinnerung lässt sich abrufen:

"Es tut mir leid, dass ich dich damals eine Schlampe genannt habe. An diesem Tag BLABLABLABLA Küche. Jedenfalls war er immer BLABLABLABLA Cocktails und hat BLABLABLABLA betrunken BLABLABLA Vodka Gimlet BLABLABLA. Mein Ex-Ex-Freund BLABLABLA betrogen. Seitdem BLABLABLA Kontrolle BLABLABLA kein Vertrauen BLABLABLA. Man kann Männern auch nicht vertrauen. Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn ich öfter bei euch mitkommen darf *In diesem Moment macht sich entsetztes Schweigen in der Runde breit. Alle erstarren* Jetzt, wo ich wieder Single bin muss ich wieder ein bisschen unter Leute. *Alle denken sich das Selbe: Wer ist das nächste Opfer?"* Vielleicht könnten wir nächsten Samstag alle gemeinsam etwas unternehmen?" *Alle sehen zu mir*.

Und nun Ladies und Gentlemen, überzeugen Sie sich von dieser schauspielerischen Ausnahmeleistung! Der Oskar in der Kategorie "Späte verbale Rache" geht an die Newcomerin Goodkat.

"Weißt du" lallte ich "du hast es damals in 2 Minuten geschafft, dass ich dich für vollkommen bescheuert, hassenswert, unzurechnungsfähig, idiotisch und frigide halte. Aber jetzt...nach deinen Erklärungen muss ich sagen, dass du noch bescheuerter, hassenswerter, unzurechnungsfähiger, idiotischer und frigider bist, als ich mir je hätte vorstellen können. Du terrorisierst deine Umwelt und erwartest, wenn du mir so ein popeliges Eis bringst, ein paar Erklärungen dahin stotterst und ein paar Mal mit deinen Augen blinzelst, dass ich entschuldige und vergesse, dass du mich vor allen Leuten beschimpft und als Schlampe hingestellt hast. Alte ich hab Bäder genommen, die waren tiefgründiger als du."

Dann machte sich Stille breit. Sie sah mich genau so an, wie ich sie damals, als sie mir das ohrenbetäubende SCHLAMPE ins Gesicht schrie, während ich sie ansah wie ein zufriedenes Nashorn, dass gerade über eine Hyäne getrampelt ist. Manchmal muss man halt mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Gute Nacht und: Der Letzte dreht in der Stadt das Licht ab, klar?

Sonntag, 29. Juni 2008

TRINKT AUS PIRATEN, YO HO

Rabenvoll bin ich. Was heute Nachmittag um 14 Uhr begann und sich rein gefühlstechnisch trotz dauernder Zufuhr von Alkohol nicht danach anfühlte, als würde ich irgendwann einen Fetzen sitzen haben (es gibt Tage, da ist das halt so. Alkoholimmunisierung), das änderte sich schlagartig nach einem Wodka Gimlet, einer sanften Brise von der Donau und einer Flasche Honigwein. Verdammt, hatten wir viel zu reden. Wirkliche 4-Augen-Gespräche. Tiefgründig und ehrlich. Naja. Mehr ehrlich als tiefgründig, aber ist ja egal. Vermutlich machten L. und ich einen recht asozialen Eindruck, weil wir ständig aufeinander klebten und aus unseren Gesprächen, die nun mal nur für die Ohren der jeweils anderen bestimmt waren, irgendwie nicht so richtig raus kamen. Kann passieren. Schlechtes Timing.
Jedenfalls hätte ich unter anderem auch noch über total banale Themen reden können. Zum Beispiel einen stundenlangen Monolog über Unterwäsche. Fabelhafte, unsichtbare, unspürbare Unterwäsche. Fabelhaft. FANTASTISCH! Unglaublich eigentlich.

Ich liebe Honigwein! Und Unterwäsche. Und Kettcar. Jaaaa, Kettcar. Danke für diesen sensationellen Graceland-Song. Und ich liebe Grimmbald, diesen zotteligen, zerzausten Hund, der so aussieht, als würde er gleich Rotkäppchen fressen. Ich liebe eigentlich alle. Sogar Menschen mit MD Kennzeichen. Mann, bin ich voll. Diese Aussage wird mir morgen noch leid tun. Ich sehe in den Spiegel und mir sieht eine total verschmierte, rotwangige, glasaugige Goodkat mit zwei Alkoholpickeln entgegen. Ich sehe fan-tas-tisch aus! Himmel, ich habe mich mir schön getrunken! Graceland Baby, Graaaaaceland!

Das ist Graceland, ich bin einer von ihnen
Es gibt ja auch ernsthaft keine Alternative
Dieser Wahn ist lächerlich dumm und zerrissen
Das macht weiter nichts nur man muss es halt wissen
Graceland, man ist jung oder tot
(Kettcar)

Donnerstag, 22. Mai 2008

RADIO(AKTIVE) NACHT

Mein Comeback in ein Leben abseits von Hustensäften und Nasentropfen. Pünktlich zu meiner Genesung zelebriert die Werbe- und Medienbranche bei der Radionight sich selbst. Scheinwerferhuren, Prominente ääääh „Persönlichkeiten“, Werber und wer sonst noch an eine der begehrten Einladungen kommt, alle werden sie dort sein und versuchen sich in Sachen Outfit, Attitude und Status zu übertreffen. Sowas kann ich mir nicht entgehen lassen. Vorrangig bin ich zwar nur daran interessiert mich in eine angenehme Taubheit gegenüber der Welt zu saufen, aber nichts ist amüsanter als einem Haufen Menschen dabei zuzusehen, wie sie versuchen sich gegenseitig zu übertreffen. Ich lege wunderbares Geschmeide an, kleide mich in den aktuellsten Fetzen, die mein Schrank hergibt, überschminke meine Leichenblässe, sodaß ich wieder den Eindruck erwecke, als hätte ich einen Puls und ziehe meine „Knöchelbrecher-Schuhe“ an.

21 Uhr. Ich steige bei der Hochspannungshalle im dritten Bezirk aus dem Taxi und lasse mir beim Eingang das weiße Plastikarmband umschnallen. „RN\08 steht in grünen Lettern darauf, eine Anspielung auf die EM. Das Armband nervt schon in der Art und Weise der graphischen Arbeit, also tue ich, was eine Frau tun muss: direkt zur Bar gehen und Weißwein ordern. Ist ja umsonst, also trinke ich das Glas in wenigen Zügen leer und hole mir gleich ein Neues.
Zwischen dem ersten und dem zweiten Glas erhalte ich das Kompliment meines Lebens. Ein Mitglied aus dem Club der Söhne sieht mich an und sagt: „Oh mein Gott. Ich glaube, ich muss meinen Ehering verstecken.“ Schön zu wissen, dass man ein Grund für Ehebruch ist ;-)

Auf der Bühne werden die Werbehähne vergeben. Das krähende Federvieh in Edelmetall zieht für wenige Sekunden meine Aufmerksamkeit auf sich. Gewonnen haben wieder die üblichen Verdächtigen. Nichts neues in der Metropole Topfengolatsche, in der die Werbe- und Medienbranche mehr als übersichtlich ist.

Das dritte Glas. Ich entdecke einen C-Promi. Jung, braucht das Geld (meine Güte, was für eine abgedroschene Phrase), vögelt sich durch die Wiens Matratzen und ist angeblich blöd wie ein Meter Waldweg (Insiderinfo. Sieht man ihm allerdings auch an, sodaß die Insiderinfo ohnehin nur eine Bestätigung meines Urteils war). Ich beschließe meinem Look noch die Note „arrogant & gelangweilt“ zu verpassen und stolziere erhobenen Hauptes und mit Wodkabüllchen durch die Menge. Beim Anblick der diversen Soletti-Mädchen (Definition für sehr, sehr dünne Frauen, Anm.d.Verf.) frage ich mich, wie lange sie für dieses Event gehungert haben um sich in den Designerfummel zu zwängen. Sie nuckeln an ihrem Strohhalm, durch den österreichisches Quellwasser fließt, ignorieren das köstliche Steak, das sie aber mit großen Augen anglotzen und zünden sich eine Zigarette an, um den Hunger zu stillen. Arm. Aber nicht mein Problem.

Viertes Glas. Leichtes Schwanken stellt sich ein. Da entdecke ich IHN. Das Ekel meines Lebens. Angetrieben von Wodka und einem gigantischen Ego stolziere aus Präsentationszwecken zu ihm hin. Das Gespräch verläuft friedlich und außer ein paar Breitseiten, die ich ihm gegenüber austeile, bin auch ich durchwegs nett (muss der Wein gewesen sein). Als unser Gespräch zum dritten Mal von stutenbissigen Hennen unterbrochen wird (Hallo, ich hab schon Jahre vor euch mit ihm ge....redet!!!) verabschiede ich mich, damit die werten Damen sich dann weiter um seine Gunst prügeln dürfen.
Das Ekel ruft mir noch „Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder“ zu, dass ich mit „Wenn das übernächste Leben bald ist, okay!“ beantworte.

Beim fünften Glas habe ich aufgehört zu zählen. Es gab viel Alkohol, viel Essen, Gespräche mit Wildfremden und Bekannten und irgendwann, als ich das Gefühl hatte, dass meine Füße in den Knöchelbrecher-Schuhen absterben und ich fortan auf Stummeln herumlaufen muss, schleppte ich mich zum Taxi und fuhr nach Hause.

Sonntag, 27. April 2008

STOLPERN UND POLTERN

Meine Fresse, Mai ist wirklich der Hochzeitsmonat. Gestern Abend stolperten gleich zwei Poltergruppen in die Krugers Bar. Erst eine Horde Frauen, die durch lautes Gekreische, Quietschen und hysterisches Lachen meine genervten Blicke auf sich zog. Da will man friedlich in sich hinein trinken, große Philosophien auswälzen und dann wird man von einer Horde aufgescheuchter Hühner aus seinem intellektuellen, geistreichen, witzigem Gespräch gerissen.

Ich vertrete zu den Themen Verlobung, Polterabend und Heirat folgende Einstellung: Wenn du es machst, dann mach es cool. Fangen wir beim Polterabend an: Sollte ich jemals, irgendwann in diesem Leben, diesem Universum, poltern müssen, so sähe das Spektakel folgendermaßen aus: meine Crew und ich würden in meine Stammbar einfallen und uns dort auf die grüne Insel (Green Island, Cocktail. Anmerkung der Verfasserin) setzen, bis wir unsere Namen nicht mehr wissen. Hernach bringt uns eine Stretchlimousine in irgendeinen Club, wo wir uns den Rausch aus den Leibern tanzen. Ein paar männliche Models, die extra für diesen Abend gebucht wurden, reißen sich vor Arbeitsbeginn die Hemden von den Sixpack-gestählten Körpern und hofiert und serviciert mich fortan „oben ohne“. Spätmorgens, wenn ich aus dem Discotempel krieche, grase ich dann die Striptease-Clubs dieser Stadt ab, bis ich meinen Ehemann in spe finde. Ich ziehe seinen Kopf aus dem Dekollté der Stripperin, zücke seine Kreditkarte, zahle damit die Rechnung, wecke seine Freunde auf, die alle mit dem Gesicht am Tisch eingeschlafen sind, stecke sie ihn Taxis und schleppe den Kerl, der zu mir gehört nach Hause. So ungefähr wird das ablaufen. Glaube ich. Befürchte ich.

Gut. Soviel zu meiner persönlichen Polterabend-Phantasie. Widmen wir uns nun der zweiten Poltergruppe. Zehn Männer und eine Gummipuppe betreten die Bar. Betrunken, aber gelassen. Kein Schreien. Gefällt mir schon besser. Wir kommen ins Gespräch. Man erzählt mir, dass die klischeehafte Gummipuppe deshalb dabei ist, weil der Bräutigam keine nackten Frauen wünscht. Also keine Stripperin und keinen Besuch in einer Striptease Bar. Ich überzeuge den Club der Söhne von der Notwendigkeit dieses Besuchs und erkläre ihnen, welches Etablissement sie mit viel Geld besuchen sollen und welches mit wenig Geld. Meine Güte, ich brauche langsam einen Aufpasser, der mir die Fresse zuhält, wenn ich betrunken bin. Glaube, ich habe eine Ehe zerstört, bevor sie überhaupt angefangen hat. Sollte vielleicht aufhören zu trinken. Oder aufhören zu reden. Eins von beiden aber zwingend!

Ein pikantes Detail ist noch zu erwähnen: die Frauen-Poltergruppe und die Männer-Poltergruppe gehörten zusammen. Sie wussten voneinander nicht, dass sie im selben Lokal reserviert hatten. Die Frauen freuten sich. Die Männer nicht. Die Männer wollten gehen. Die Frauen ließen sie nicht. Alter, da würde ich mir total gearscht vorkommen. Wer will denn schon seinen Kerl beim Polterabend dabei haben? Und welcher Kerl seine Tussi? Ich persönlich würde mich nicht freuen, wenn die Tapete, die ich die nächsten 100 Jahre ansehen werde auf meinem Polterabend anwesend ist. Ich würde ihn und seine Truppe dazu nötigen zu gehen und zwar schneller, als ein Lämmchen mit dem Schwanz wackelt. Denn niemand trägt auf einer Party so viel zur Unterhaltung bei, wie diejenigen, die gar nicht da sind.

Irgendwann stolperte ich aus dem Krugers raus, nicht ohne einen letzten Seitenblick auf die vereinten Poltergruppen zu werfen. Die Männer tranken schweigend. Die Frauen quiekten und kreischten.
Himmel, ich muss dringend bald auf Urlaub fahren. Oder aus der Haut.

Sonntag, 20. April 2008

NACHTFLUG, ODER: JENSEITS VON GUT UND BÖSE

Ich habe Schreibverbot erhalten. Über alles, was am vergangenen Freitag passiert ist. Wie man sieht, kann ich mich auch daran halten. Die wichtigsten Erkenntnisse von Freitag Nacht kurz zusammengefasst:
  • Es gab in der ganzen Partymeute nicht eine Person, die um 23 Uhr noch nüchtern war.
  • Nichtmal in der Nähe von "nüchtern"!
  • Ich habe zwei Einladungen angenommen, an deren Daten ich mich nicht mehr erinnern kann.
  • Männer freuen sich, wenn sie Mädchen mit Orangen beglücken dürfen.
  • Unsere Pupillen waren dermaßen glasig, dass man sich darin spiegeln konnte.
  • Das U4 hält sich für einen Schuppen besonderer Klasse. Warum kam ein Teil unserer Gruppe nicht rein, wenn in dem Schuppen hauptsächlich Personen waren, bei denen man sich fragen muss, welche Form der geistigen Behinderung es diesen Menschen erlaubt ohne Begleitung aus dem Haus zu gehen?
  • Man bekommt auch keinen Zutritt mehr zu einem Saal, wenn man kurz im anderen Saal war um zu sehen, wo der Rest der Meute steckt (nämlich oben beim Eingang auf Einlass wartend).
  • Kurzzeitig war ich deshalb so sauer, dass Uma Thurman in Kill Bill ein Dreck dagegen war.
  • Wenn man gedankenverloren in einem Gang steht und minutenlang die Treppe anstarrt, sollte man nach Hause gehen.
  • Das selbe gilt auch, wenn man Männer anstarrt wie ein Volldödel.
  • In meinem Körper finden mehrere Liter Wodka, Red-Bull und Bier Platz. Wo sich das verteilt? Keine Ahnung! Aber irgendwann treffen sich alle im Großhirn und machen Party.
  • Ungefähr um Mitternacht benahm ich mich gegenüber C. wie ein rolliges Kätzchen.
  • Es gibt Männer, die, auch wenn sie selbst mindestens genau so betrunken sind, wie man selbst, erkennen, wenn die eigene Aufmerksamkeitsspanne ausgereizt wurde und dies auch noch betonen (an dieser Stelle meinen tiefen Respekt)
  • Andere Männer kapieren das widerum nicht und quälen einen mit minutenlangen Antworten auf eine Frage, die auch in 50 Sekunden ausreichend erklärt worden wäre.
  • Halb bewusstlos entfernt man sich von der Person um fortan andere mit seinen eigenen Monologen zu quälen.
  • Ich habe im betrunkenen Zustand eine Aufmerksamkeitsspanne von 10 Sekunden.
  • Entschuldige mich hiermit bei allen, die mir ihre kreativen, genialen, geistreichen Erlebnisse/Einstellungen/Philosophien näher bringen wollten.
  • Für M. sahen L. und ich so vertrauenserweckend aus, dass er uns seine Flasche Bier in die Hand gedrückt hat, bevor er auf´s Klo verschwand.
  • Armer Kerl. Muss noch viel lernen. Bekam seine volle Flasche Bier halb geleert wieder.
  • Checkte es aber nicht, sondern sagte noch: "SUPER! DANKE!
  • Habe ich schonmal das rollige Kätzchen erwähnt? Ja?
Zusammenfassend kann man sagen: Trotz unseres betrunkenen Zustands, gibt es so enorm viele Fotos von diesem Abend, dass ich nicht um die Frage umhin komme: Sind wir alle in unserem tiefsten Inneren Scheinwerferhuren/Scheinwerferflittos?

Sonntag, 30. März 2008

GEBURTSTAGSFEIERN

Gestern feierte L. ihr Wiegenfest und natürlich waren alle üblichen Verdächtigen wieder gekommen. Als ich mit J. um 20 Uhr keuchend in der Wohnung ankam (kein Lift), platzierte ich meinen Hintern erst mal auf der Couch und überlegte, was ich zuerst saufen wollte. Anfangs waren nicht viele Leute da und so klappte die Sache mit dem Getränke beschaffen dann doch recht schnell. Als Barkeeper des Abends erwies sich Bully, den ich letztes Jahr noch dahin wünschte, wo der Pfeffer wächst, aber gestern hatte er wirklich einen klitzekleinen Teil meines Herzens gewonnen, als er mich mit selbstgemachten Cocktails überraschte und sie mir sogar bis zum Tisch brachte.
Verkleidung war auch an diesem Abend ein Thema, wobei man sich aussuchen konnte, ob man sich der Toga-Fraktion anschließt oder den Egoisten (Komme als die Person, die du schon immer sein wolltest). M., P. und S. beglückten unsere Augen mit den Toga-Verkleidungen. L. war die Puffmutter, ich Porno-Holly und dann gab es da noch eine Dame, die im Pyjama auftauchte. Sah sehr bequem aus und am späteren Abend, als die Wohnung wieder kühler wurde, hätte ich ihr gerne die Flauschi-Patschen entrissen, um sie mir selbst an die klammen Füße zu stecken.
Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Irgendwie empfand ich die Stimmung ab der Mitte als „lauwarm“, was aber vielleicht auch daran lag, dass ich seit Mittwoch unter der Belastung einer Aufnahmsprüfung für die FH und anschließend unter „Freizeit-Stress“ litt.
Zu lachen gibt´s aber doch immer wieder etwas. Vor allem für P. und M., die mir das Geheimnis von Fotzi, Gozi oder wie auch immer das Ding heißt, nicht verraten wollten. Sie meinten nur, ich solle es ansehen, man könne es sich nur mit eigenen Augen ansehen, eine Erzählung würde nicht reichen. Aber es wäre grauslich. Sehr grauslich.
Ich wollte aber nix grausliches sehen und so versuchte ich jeden, der fortan die Küche betrat, dazu zu bringen, mich über Fotzi-Gotzi aufzklären.
Erst kam C., der nur dauernd was von „One of us“ krächzte und versuchte mich vor den PC zu schleifen. Klappte aber nicht. Was er wiederum damit quittierte, dass er mir ins Gesicht lachte und nichts verriet.
Auch C2 war nicht dazu zu bewegen irgendwas zu verraten. Was zum Teufel ging da vor? Diese gemeinen Leute spielten mit meiner Neugierde und machten mich gierig darauf zu wissen, WAS das Ding ist, wollten aber nix verraten außer „One of us“. Ach...dann halt nicht! Da kam L. in die Küche. Ja, meine Quelle...verdammt! Hält ebenfalls eisern ihren Mund.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als es mir selbst anzusehen.
Hätte ich mir schenken können. War entsetzt. Voller Ekel. BAH! Wie schön, dass es zur Unterhaltung der anderen Partygäste beitrug, dass ich entsetzt, erschrocken und sowas von angewidert war. Der Preis dafür: Ich bin jetzt im „One of us“ Club. Ist jetzt nicht unbedingt etwas, dass ich weiter empfehlen würde.

Die Highlights und Erfahrungswerte der Party kurz zusammengefasst:
  • In Tibet gibt es kein alkoholisches Nationalgetränk
  • S. brach irgendwann mit weißen Lippen auf der Couch zusammen und schlief gemeinsam mit der Katze selig ein.
  • M. wollte L. und mir partout nicht seine Disco Wodkaflasche vererben.
  • M. glaubt Gott zu sein und lässt seine Kartoffeln an der Heizung mutieren. Meine Fresse, da ragen schon richtige Äste aus den Kartoffeln raus! M. begründete dies mit „Ich beobachte sie mal“ woraufhin ich entgegnete: „Die beobachten eher dich.“ Wir berichten weiter.
  • C. rotzte lautstark ins Taschentuch, wegen der Katzenallergie. Ein Konzert in mehreren Tonlagen. Wir waren begeistert und wollten beinahe im Chor eine Zugabe fordern.
  • Die Zugabe bekamen wir auch, aber nicht mehr so laut und kraftvoll wie bei der Erstaufführung. Der Vorschlag von P. mal kurz mit der Katze zu kuscheln, wurde von C. abgwiesen. Der Fanclub war enttäuscht.
Tja, als ich es dann vor Frieren kaum noch aushalten konnte, vertschüsste ich mich auch schon. Irgendjemand hätte mich vielleicht auch noch darauf aufmerksam machen können, dass die verfluchte Sommerzeit Einzug gehalten hatte und es eigentlich schon drei Uhr war. Lesen Sie dazu in den nächsten Tagen: Würstelstand des Grauens. Den hätte ich mit dem Wissen über die korrekte Uhrzeit nämlich ausgelassen. Da wär mir viel erspart geblieben.
Naja...hauptsache ich kenn jetzt den/das Gotzifotzi.

Sonntag, 9. März 2008

Drama Baby, Drama!

Ein Samstag Abend, der sich als Drama im positiven Sinne gestaltete. Die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge.

Erst lagen N. und ich mehr als zach auf meiner Couch herum und schütteten Martini in uns hinein. Zu späterer Stunde begaben wir uns dann doch auf den Weg Richtung Titanic, der unserem Abend eine sehr humorvolle Note gab. Selten haben wir so viele seltsame, überdurchschnittlich schlecht aussehende, Prolls und Tussis auf einem Haufen gesehen. Unser Lieblingsobjekt beobachteten wir beim Tanzen. Eine Dame mittleren Alters, die tatsächlich ein bauchfreies Shirt trug. Wie out ist das denn? Zugegeben, sie hatte für ihr Alter eine annehmbare Figur, aber die Tanzeinlagen, die sie wohl ausschließlich für den um gut 15 Jahre jüngeren Barkeeper darbot, erinnerten mehr an eine verzweifelte Stripperin als an eine Person die Spaß daran hat. Auf der selben Tanzfläche befanden sich auch Klopsi, der Möchtegern-Shaft und ein Magersüchtiger, der sein Hemd auch noch bis zum Bauchnabel geöffnet hatte, was wohl allen Anwesenden die Möglichkeit geben sollte, seine Rippen zu zählen. Waren mal Menschen zu erblicken, der nicht aussahen wie der Elefantenmensch, verschwanden diese auch bald wieder. Wir taten es ihnen gleich und traten den Heimweg an.

Nach einem erfrischenden Spaziergang von 20 Minuten war N. bei ihrem Auto und ich vor meiner Haustür angelangt. Es war ungefähr 2:00, als ich den Schlüssel aus meiner Tasche hervor kramte und just in dem Moment mein Handy läutete. Auf die schwulen Freunde ist halt immer Verlass.
Es war M., der mich ins Sass zitierte, wo er und eine Horde anderer feierten. Im Zentrum dieser Feier stand angeblich eine gebeutelte junge Frau, die ihren Ex-Freund verlassen hatte, nachdem sie ihn das x-te Mal beim Fremdgehen erwischte und nun abgelenkt werden musste. Gesagt getan, 10 Minuten später betrat ich das Sass, zwei Sekunden später hatte ich ein Wodka Red Bull in der Hand und war auf dem besten Weg mir den Fetzen meines Lebens zu holen. Das Mädchen hatten wir übrigens mit einer gewissen Zufuhr an Alkohol und ein paar Tanzeinlagen auch wieder emotional aufgepäppelt. Dachten wir. Als sie mitten im allgemeinen Hyänengelächter plötzlich anfing zu weinen, sahen wir erst mal recht dumm aus der Wäsche. Also sahen wir erst mal betreten in unsere Gläser, schlürften verlegen an Strohhalmen, zündeten Zigaretten an und betrachteten äußerst interessiert den Boden. Dann warf jemand in die Runde: Fahren wir in deine Wohnung und zerreißen alle Fotos von deinem Ex!

Ihr gefiel die Idee und so fiel das 15-köpfige Räumungskommando in der Wohnung des armen Mädchens ein. Wie kleine Kinder am Weihnachtsabend saßen wir am Boden des Wohnzimmers, darauf wartend bis K. (die Betrogene) uns ihre ehemalige Beziehung in Form von Bildern, Geschenken und Plüschtieren offenbaren würde. Sie kam mit drei Umzugskartons aus dem Schlafzimmer wieder heraus. Was sie uns dann offenbarte glich einem...eines....einer.....EINER BIBLIOTHEK! Was diese Frau an digitalen Bildern und Videos von ihm hatte, damit hätte man eine vierteilige Universum Dokumentation machen können! Nur von ihm! Ich war entsetzt und fasziniert zugleich. Außerdem hatte K. für jede Erinnerungssparte eine eigene Kiste vorgesehen. Da gab es eben die Kiste mit ausgedruckten Bildern bzw. auf CD archivierten Bildern und Videos. Dann die Kiste mit den kleinen Geschenken, die er ihr im Laufe der Jahre gemacht hatte. Also der übliche Plüschtier-Scheiss, getrocknete Rosen und so. Inmitten der ganzen Bären, Rosenblätter und Tonfiguren fand ich aber auch die ein oder andere Notiz von ihm. Ich sah mich kurz um, ob ich beobachtet wurde und las schnell ein paar der Notizen. Auf einem kleine linierten Zettel las ich „Ich liebe dich“ auf einem anderen „Freue mich schon auf heute Abend“, dann wieder „Ich mag es, wie deine Haare duften“ (sagen dass eigentlich alle Männer??). Da der gute Mann ja wohl kaum stumm oder taubstumm ist, ging ich davon aus, dass er diese Nachrichten immer dann hinterlassen hat, während sie noch selig in den Federn schlummerte und er sich frühmorgens aus dem Haus schlich.

Ich hatte genug gelesen. Für mich war klar: wir haben es hier mit einem Charmebolzen zu tun. Anders ist nicht zu erklären, wie sie das unzählige Fremdgehen tolerieren konnte. Naja...andererseits wäre da noch die Gewohnheit, nicht zu erklärender Liebe, sensationeller Sex und was weiß ich noch.

In der dritten Kiste befanden sich Kleidungsstücke von ihm. Ich entnahm den Shirts, dass er ein Mando Diao und The Killers Fan war und außerdem ein Faible für Mountainbiken und die Marke Timberland haben musste.

Gut. Nachdem alles Material gesichtet war stand sie auf und holte eine Schere und einen großen Müllsack. Wir saßen noch immer auf dem Wohnzimmerboden und blickten zu ihr hoch. Und sie blickte zu uns runter. Sie war dem nächsten Heulanfall nahe. Und sie schmiss wirklich alles weg. Fast alles. Das ein oder andere Teil von seinen Kleidungsstücken behielt sie als „Beute“. War ein Tipp von mir.

Nach diesem Ereignis wollten wir noch auf ein „Fluchtachterl“ und fanden uns im Roxy wieder. Als wir dieses im Morgengrauen wieder verließen hatte sich unsere Gruppe auch schon auf 5 Personen dezimiert.

6:30
Unsere Mägen knurrten und wir, die Helden der Nacht, begaben uns auf die Suche nach einem Frühstückscafe, wo wir unseren müden Körpern Nahrung zuführen konnten. Gesucht gefunden, bestellten wir alle die größten Frühstücksmenüs, die das Lokal zu bieten hatte und soffen dem Lokal fast den ganzen Kaffe weg.

8:00
Die Sonne schien uns auf die bleichen Gesichter und ich hatte kurzfristig das Gefühl vampirmäßig verbrennen zu müssen. Ich wollte nach Hause. In mein Bett. Aber M. wollte unbedingt „Schanigarten sitzen und Leut schaun“, weil „es ist so schön draussen“.

Als wir endlich in einem Straßencafe saßen, das um die Uhrzeit offen hatte und über eine hohe Leute-vorbeigeh-Frequenz verfügte, spielten wir ein Spiel. Von 100 fremden Männern, die an uns vorbei gingen, mit wie vielen würden wir schlafen? Das ist natürlich so ungefähr wie ein Autofahrspiel zu verstehen, mit dem man sich früher als Kind immer die Zeit vertrieb. Dieses spezielle Spiel war aber vielmehr für gelangweilte, alkoholisierte, übermüdete Großstädter ab Mitte 20.

Nachdem M. den x-ten schnuckeligen Typen ablehnte, weil der die falschen Sneakers/schlecht sitzende Jeans/so seltsame Haut hatte, kamen wir nach einer halben Stunde auf folgenden Zwischenstand:
M: hätte mit 3 von 65 vorbeigelaufenen Männern schlafen
Ich: hätte mit 29 von 65 vorbeigelaufenen Männern

Nachdem M. die Zahlen eine Weile kritisch beäugte sagte er : Wow, du bist ja eine imaginäre Hure.
Woraufhin ich entgegnete: Mal abgesehen davon, dass das nur ein Spiel ist und ich hier rein nach dem Aussehen beurteilt habe und in der Realität wahrscheinlich nichtmal mit einem von den 29 schlafen würde, bist du ein frigider Spießer.

Darauf wieder M: Ich sagte ja IMAGINÄR!! I-MA-GI-NÄR!
Ich: Ja, du Fremdwortakrobat! Schon verstanden.
M: Sag mal, wo sind eigentlich die sorglosen Tage hin, in denen unsere Terminkalender so weit offen waren wie unsere Herzen?
Ich: Keine Ahnung. Ich für meinen Teil kann das schon ganz gut einteilen.
M: Redest du jetzt von den Terminkalendern oder von den Herzen?
Ich: Von den Terminkalendern natürlich. Ich rede ab sofort nur noch von Dingen, von denen ich eine Ahnung habe.
M: Das war jetzt mal das Wort zum Sonntag. Das heißt du wirst in Zukunft nicht mehr viel reden, oder?
Ich: *anschnaub*
M: Gemma schlafen?
Ich: Bitte!

Und so torkelten wir um 10 Uhr Vormittags zurück in unsere Wohnungen. Um nichts gscheiter, dafür haben wir dank des exzessiven Fortgehens heute sicher ein paar Falten mehr.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Macken, Männer und jede Menge Aperol

Ich bin ein Mädchen. Diese Tatsache genügt, um einen triftigen Grund für diverse Ausfälle zu liefern. Da fragt keiner weiter nach.
Als Mädchen ist es selbstverständlich, dass man emotionale Aussetzer hat. Da wird geheult, sich dramatisch auf´s Bett geworfen und mit den Fäusten auf die Polster (korrekter Plural übrigens) eingeschlagen. Oder man liegt apathisch auf der Couch, raucht zuviel und sieht alle mit diesem "Die Welt versteht mich nicht. Und du schon gar nicht"-Blick an.

Als Mädchen darf man
- ein Dauerminus auf dem Konto haben (Männer sind da meiner Erfahrung nach viel konsequenter. Oder zumindest nicht so viel im Minus.)
- an manchen Tagen alles falsch verstehen und mit bibbernder/ins weinerliche kippenden Stimme sagen: W-w-w-w-waaaaas? Soll das heißen, dass du mich nicht maaaaaaagst?
- "Uppsi" sagen, wenn einem ein Mißgeschick passiert
- sich ernsthaft in die neuen GURU Sneaker verlieben und sie täglich im Onlineshop bewundern
- nicht zu vergessen die beiden Coccinelle Taschen, die ja nun wirklich um einen Spottpreis zu haben sind.

Aber sollte man als Mädchen eigentlich ständig inkonsequent sein, von politischen Themen keinen Schimmer haben und mit einer beinahe schon hellseherischen Ahnung immer genau das tun, was nicht von einem erwartet wird? Man muss! Nur so bleibt man ein Mysterium für die Männerwelt.

Das Geheimnis der Männer haben wir längst geklärt: Sie reden nicht um den heißen Brei herum, sondern sagen, was sie meinen! Da gibt es nichts zu interpretieren. Wirklich!Rein!Gar!Nichts!
Wir Mädchen wollen es nur einfach nicht wahr haben. Eigentlich haben wir das Geheimnis also gelüftet, nur begreifen wollen wir es nicht. Weswegen es uns nicht besser geht, als den Männern. Und warum tun wir uns das dann eigentlich immer wieder an?

Weil die ersten Küsse so großartig sind!

Das war zumindest meine gestrige Philosophie, unterstützt durch ein paar Gläschen Aperol mit Freunden. Ich fragte ich mich: Sollten wir uns nicht anderen Problemen widmen? Warum driften die Gespräche immer zum selben Thema hin? Was ist mit der Literatur? Warum reden wir nicht über die Umwelt? Worin besteht der Sinn des Lebens?

Keine Ahnung!

E-Mail

goodkatblog[at]gmail[dot]com

Kommentare

hilfe!
WAH - GAHHH - gaga. wieso seien sie umgezogen sind?...
ich (anonym) - 9. Aug, 10:45
peinlichkeiten aus der...
ich möchte doch bitte erinnern, dass unser exzessives...
ab_alone - 7. Aug, 11:25
aaahaarrrrrrrr, wäre...
aaahaarrrrrrrr, wäre ja nur zu gut gewesen, wenn...
mirno_more - 7. Aug, 08:13

Web Counter-Modul

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 282 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 9. Aug, 10:45

Betrunkenes
Chefsache
Diverse Spinnereien
EM 08
Frau Goodkat
Psycho
Reisen
Stöckchen
What the Fuck
Wir, ich und Du
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren