MIR GEHT ES GUT

Mir geht´s gut. Wirklich gut. Und das schon seit ungefähr 10 Tagen. Das sage ich jetzt nicht, damit ihr euch keine Sorgen mehr um mich machen müsst, selbstverständlich konsultiere ich weiterhin meinen Therapeuten und füttere meinen Welthass, aber es gehen doch seltsame Regungen in Frau Goodkat vor.

Da wäre mal die Tatsache, dass ich letztes Wochenende nüchtern war. Von Freitag bis Sonntag. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch nicht fort war. Wenn ich fortgewesen wäre, hätte ich selbstverständlich gesoffen wie ein Matrose.
Ich glaube, ich bin im Begriff zu lernen die Dinge anzunehmen, wie sie eben kommen. Das bedeutet nicht, dass ich deswegen weniger cholerisch, stur, jähzornig und zynisch bin. Jedenfalls ist es nun mal so, dass ich vor zwei Wochen wieder mal eine Begegnung hatte mit einer Person, die mich normalerweise komplett verwirrt und aus der Bahn wirft. Ich laufe dann rum, wie ein deprimiertes Elefantenbaby und weiß gar nicht, wo ich überhaupt hin soll. Diesmal nicht.

Seit gestern weiß ich, dass ich zwei Kinder im Alter von 11 und 9 hüten kann und gleichzeitig eine gewisse Organisation habe. Zwar bleibt dabei die Organisation meines Lebens auf der Strecke, aber bis jetzt habe ich es geschafft, dass beide ihr Essen bekommen, die Hausaufgaben machen, lernen, pünktlich in der Schule erscheinen (angezogen), genügend Geld mit haben, ihre Schlüssel nicht vergessen, ihre Handys nicht vergessen, mich anrufen, wenn sie zuhause sind, den nächsten Tag organisieren, weil ihre Mutter in Tel Aviv fest sitzt (Stewardess), aus ihrer Wohnung wieder ein betretbares Refugium zu machen, Unmengen Geschirr abzuwaschen, usw. Wie es in meiner Wohnung aussieht und wie ich heute zur Arbeit erschienen bin, das lassen wir jetzt mal außen vor. Zumindest habe ich es geschafft saubere Kleidung aus dem Kasten zu fischen, mein übermüdetes Gesicht hinter einer riesigen Pilotenbrille zu verstecken und in meine brandneuen Lackballerinas zu schlüpfen. In diesem Aufzug Tamara zur Schule gebracht. Angeblich erhielt sie dadurch den unverhohlenen Respekt ihrer Mitschüler, die ihren Angaben zufolge sagten: „Deine Tante schaut ja uuuur cool aus“. Wow. Mäßige Komplimente von 11-jährigen. Bekomme ja sonst keine. Werde versuchen mich das nächste viertel Jahrhundert daran zu laben.

Der Frühling kommt. Oder ist schon da. Whatever. Ich erinnere mich wieder an meine Lieblingsplätze, die ich gerne besuche, wenn die Eisbären nicht mehr jubelnd durch die Stadt laufen. Das sind ganz einfache Orte. Ich rede dabei nicht von immergrünen Wiesen auf denen kniehoch der Mohn wächst, ich auf einer Parkbank sitze und ein lila Schmetterling küsst mich auf die Wange während eine Amsel ihr kleines Lied in mein Öhrchen trällert. Sollte ich jemals einen derartigen Kitschanfall bekommen, bitte ich um sofortige Einweisung in eine der hiesigen Anstalten. Ich rede hier vom Naschmarkt am Samstag Vormittag. Unzählige Leute, Marktgeschrei vom Feinsten und ich sitze am Rand mit einer Muratti und einem Café Latte, das geschäftige Treiben beobachtend.

Oder die leeren Straßen in der Innenstadt um zwei Uhr Morgens. Der Graben, oder der Michaelerplatz. Hin und wieder kreuzen andere Nachtschwärmer meinen Weg. Mehr oder weniger betrunken, als ich.

Der Heimweg, wenn es langsam beginnt hell zu werden. Man begegnet all den anderen, die genau wie man selbst, gerade aus irgendeinem dunklen Schuppen gekrochen sind, nichts gesucht und nichts gefunden haben. Jeder geht seines Weges und doch sieht man sich verschwörerisch an, als würde man für den Zeitraum eines Sonnenaufgangs Teil einer Gruppe sein, die etwas gemeinsam hat.

Endlich habe ich wieder Bücher gefunden, die mich zum Nachdenken und zum Lachen bringen. Oscar Wilde „Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze“ und „Die Bibel nach Biff“ von Christopher Moore. Beide treiben mir die Tränen in die Augen. Wilde, weil er zum Teil so knallharte Sachen von sich gibt, wie „Herzen sind dazu da, um gebrochen zu werden“ und Moore, weil ich mir gestern beinahe ins Höschen gelullt hätte vor Lachen.

Apropos Herzen. Ich finde es schön, wenn ich Augen- und Ohrenzeuge eines solchen Gesprächs werde: Person A fragt Person B: „Was findest du überhaupt an dem Kerl? Der hat doch nix.“ Während ich stumm in mich hinein grinse und Person A noch über die Frage nachdenkt auf einmal Person C sagt: „Vielleicht bringt er sie zum Lachen?“ Und das war ganz und gar nicht ironisch gemeint. Es sollte der Person B einfach zeigen, dass es hinter den Oberflächlichkeiten noch ein Türchen gibt, das es aufzumachen gilt. Man kann darüber nicht streiten, ob der Beginn einer Romanze etwas mit dem Aussehen zu tun hat. Klar hat sie das. Jeder urteilt nach seinen eigenen Vorlieben und da fallen manche schon aus, bevor sie noch überhaupt den Mund aufgemacht haben. Aber wer sich in die Fassade verliebt und nach dieser Rosa-Brille-Phase noch immer nur die Fassade sieht, der ist VERliebt. Mehr nicht. Das ist traurig UND wahr. Liebe ist etwas ganz, ganz anderes. Die ursprüngliche Form der Liebe beginnt schon mit all diesen Kleinigkeiten, die man vergeblich am anderen befragt, die einen verstören und über die man nachdenken muss. Das sind die Ansätze, die ersten Triebe. Ich vermag gar nicht an dieser Stelle darauf im Detail einzugehen, sonst würde ich irgendwann mit schlohweißem Haar hier sitzen. Aber auf eines möchte ich noch hinweisen. Die Königsklasse: die bedingungslose Liebe. Das hat nichts mit Lack, Leder und Demut zu tun. Die bedingungslose Liebe erfährt man nur von ganz wenigen Personen. Wenn man Glück hat. Bedingungslose Liebe schenken Kinder, Eltern und Tiere.

Alter Falter, ich kann hier nicht annähernd beschreiben, wie ich das von meinem Empfinden her eigentlich meine. Dieses ganze Liebeszeugs ist für mich eine Nummer zu groß um es beSCHREIBEN zu können, deshalb lass ich obiges mal so im Raum stehen. Vielleicht fällt mir irgendwann die ultimative, die weiseste aller weisen Philosophien dazu ein. Und ich will zumindest in diesem Bezug nicht missverstanden und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Mit dem Geschreibsel von oben kann doch kein Schwein was anfangen. Und mein Rechtschreibprogramm übrigens auch nicht. Der gesamte letzte Absatz ist grün unterwellt. JA WAS WILLST DU DENN VON MIR? Was für ein Problem hast du mit „die weiseste aller weisen Philosophien“? HA? Da! Das Rechtschreibprogramm macht es schon wieder! Ach, fick dich doch.

Gut, mir schwillt schon wieder der Kamm. Langsam sollte ich mich für ein „Anti-Aggressionsprogramm“ anmelden. Dann werde ich vielleicht älter als 45. Womit ich wieder beim Anfang wäre. Mir geht´s gut. Aber deshalb bin ich nicht weniger cholerisch, stur, jähzornig und zynisch. Alles klar? :-)

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Kommentare

hahahahhaa
martin und ich haben uns amüsiert. kommentar...
ronny (anonym) - 24. Jul, 12:12
Tontaubenschießen...
man muss sich die Szenerie ja mal umgelegt auf das...
mirno_more - 23. Jul, 17:47
HA!
Ein Jägersmann! Aber GottseiDank nur der Chef!...
Scholli (anonym) - 23. Jul, 14:33

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Zuletzt aktualisiert: 24. Jul, 16:57

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