VON MOUNTAINBIKES, LITERATUR UND VÄTERN
Letztens habe ich mir das Mountainbike meines Vaters ausgeborgt. Natürlich nicht einfach so, denn es gab exakt die selbe Diskussion wie bei seinem Auto. Er ist der festen Überzeugung, dass ich weder mit seinem Wagen noch mit seinem MB fahren darf. Nicht, weil ich einen bedauerlichen Unfall haben könnte - primär ist es die Angst davor, dass das Auto einen Totalschaden erleidet. Dabei bin ich ein sehr guter Autofahrer (Selbsteinschätzung), wenn auch etwas forsch (Fremdmeinung).
Nachdem ich mir also erfolgreich das Mountainbike erstritt, trat ich in die Pedale. Ich radelte leichtfüßig die Triester Straße bergan Richtung Wienerberg und fragte mich, wann ich den Großglockner in Angriff nehme. War doch pillepalle, schafft jedes Kleinkind die Triester rauf zu radeln.
Für den Hochmut bezahlte ich relativ schnell und meiner Meinung nach viel zu viel. Die Steigung wurde zunehmend steiler, ich zunehmend demotivierter. Keuchend, schwitzend, zitternd und fest entschlossen meine Lungen demnächst auf Vordermann zu bringen (Definition "demnächst": 6 Monate bis nie), gab ich das Mountainbike seinem Besitzer zurück.
Etwas später, bei einer Muratti unnd einem Café Latte...
Ich verabschiedete ich mich von dem Gedanken einer Sportlerkarriere. Außerdem: hätte ich damit nicht spätestens im Volksschulalter beginnen müssen? Täglich 12 Stunden trainieren, Mittags und Abends zwei Kilo Kartoffeln mit Gemüse zum Essen. Keine Freunde, keine Freizeit, keine Süßigkeiten. Dafür mit 17 schon einen eigenen Fuhrpark (Deutsche, TransAm´s, Italiener), drei Häuser (St. Moritz, Cannes, Kitzbühel), Angestellte (Südamerika), und Designer (Italiener, Franzosen) schicken mir eine Auswahl der neuesten Saisonmode nach Hause.
Auf der anderen Seite: drei abgebrochene Entzugstherapien, ständig wechselnde Partner und regelmäßige, therapeutische Behandlung (Warum hat mich Mami nicht lieb, wenn ich verliere?). Will man das wirklich?
Dann doch lieber Schriftsteller werden und ein Buch rausbringen. Oder Buchkritiker. Warum Buchkritiker? Eines Abends las ich auf der FM4 Homepage einen Artikel über T. Glavinic´s neues Buch "Das bin doch ich". Darin wurde eine der wenigen guten Stellen wiedergegeben und es machte mich neugierig. Tags darauf erneut eine durchwegs positive Kritik auf orf.at gesehen, sowie einen Fernsehbeitrag. Das Buch habe ich dann trotzdem wieder vergessen, aber beim Libro darüber gestolpert und gekauft.
Was soll ich sagen? Ich hätte die 20 Euro genausogut in die Tonne kloppen können.
Es handelt sich um eine Art "Tagebuch" oder "Alltagsgeschichten". Hätte mich an sich nicht gestört. Ich lese gerne, was andere erleben oder beschäftigt, außerdem soll es sich laut diverser Rezensionen um einen äußerst witzigen Erzählstil handeln. Ich habe das Buch also in Erwartung eines feudalen Feuerwerks an Humor und Esprit aufgeschlagen und wurde enttäuscht.
Nein, ich war nicht sofort enttäuscht. Wenn mir ein Buch nicht gefällt, suche ich den Fehler immer erst bei mir. Ich habe nämlich vor Leuten Respekt, deren Geschreibsel veröffentlicht wird. Die müssen gut sein und ich bin der Dilletant. Die anderen Leser haben Humor und den richtigen Zugang und nur ich bin seltsam. Nicht die Zielgruppe. Zu ungeduldig! Zu unreif! Dann wurde ich wütend und legte das Buch weg. Nachdem ich bereits mehrere Seiten übersprungen, mal hier und mal da reingelesen habe, vor und zurück blätterte, konnte ich mir schlussendlich glücklicherweise eingestehen: Langweilig!
Bis auf ein paar Stellen gänzlich humorfrei (was meinen Geschmack betrifft) und inhaltlich sinnentleert. Mich interessieren keine Besäufnisse im Kreise der Intellektuellen-Elite oder dass dem Söhnchen scheinbar die Fähigkeit zum Schlafen fehlt. Auch die missglückten Taxifahrten sind für mich weder witzig, noch haben sie einen essentiellen Grund um überhaupt den Platz auf diesen Seiten einzunehmen!
Dann noch die Erwähnung des bekifften Nachbarn. Ist das überhaupt noch witzig, bekiffte Personen in seine Geschichten einfließen zu lassen? Muss ich mir einen Joint reinziehen um so viel lachen zu können, wie die meisten Leser vor mir? Was rechtfertigt den Preis von 20 Euro (für das Buch, nicht die Drogen)? Um das Geld bekomm ich doch schon ein paar Gramm...
Also, es tut mir leid, aber mir gefällt das Buch nicht. Vielleicht bin ich aber wirklich nur zu ungeduldig, zu unreif, zu seltsam für dieses Schriftstück. Oder habe schlichtweg einen gänzlich anderen Humor als viele, viele, viele andere Leute, die sich ja scheinbar angepisst haben vor Lachen. Das würde widerum bestätigen, dass ich seltsam bin. Was soll´s.
Kommen wir zu zwei Büchern, die mich in den letzten Monaten "emotional getouched" haben: Philipp Roth - Mein Leben als Sohn. Gekauft habe ich mir dieses Buch aus zwei Gründen:
- weil ich beim Blättern im Morawa auf eine Textpassage gestoßen bin, mit der ich genau so und nicht anders meine eigene Beziehung zu meinem Vater beschreiben kann: Er war nicht irgendein Vater, er war DER Vater, mit allem, was es an einem Vater zu hassen gibt, und allem, was es an einem Vater zu lieben gibt.
- und dann war da noch der Klappentext, der einfach nur einen Punkt in mir berührt hat: Ich werde immer als sein kleiner Sohn leben, mit dem Gewissen eines kleinen Sohnes, so wie er immer lebendig bleiben wird, nicht nur als mein Vater, sondern als der Vater, der zu Gericht sitzt über alles, was immer ich tue...
Dazu keine weiteren Erklärungen. Kaufen! Lesen!
Außerdem: Billy Corgan - Blinking with Fists.
Gefühlvolle Gedichte, intelligente Wortspiele, Tränendrücker und Hoffnungsgeber vom Frontman der Smashing Pumpkins. Depression kann Spaß machen!
Nachdem ich mir also erfolgreich das Mountainbike erstritt, trat ich in die Pedale. Ich radelte leichtfüßig die Triester Straße bergan Richtung Wienerberg und fragte mich, wann ich den Großglockner in Angriff nehme. War doch pillepalle, schafft jedes Kleinkind die Triester rauf zu radeln.
Für den Hochmut bezahlte ich relativ schnell und meiner Meinung nach viel zu viel. Die Steigung wurde zunehmend steiler, ich zunehmend demotivierter. Keuchend, schwitzend, zitternd und fest entschlossen meine Lungen demnächst auf Vordermann zu bringen (Definition "demnächst": 6 Monate bis nie), gab ich das Mountainbike seinem Besitzer zurück.
Etwas später, bei einer Muratti unnd einem Café Latte...
Ich verabschiedete ich mich von dem Gedanken einer Sportlerkarriere. Außerdem: hätte ich damit nicht spätestens im Volksschulalter beginnen müssen? Täglich 12 Stunden trainieren, Mittags und Abends zwei Kilo Kartoffeln mit Gemüse zum Essen. Keine Freunde, keine Freizeit, keine Süßigkeiten. Dafür mit 17 schon einen eigenen Fuhrpark (Deutsche, TransAm´s, Italiener), drei Häuser (St. Moritz, Cannes, Kitzbühel), Angestellte (Südamerika), und Designer (Italiener, Franzosen) schicken mir eine Auswahl der neuesten Saisonmode nach Hause.
Auf der anderen Seite: drei abgebrochene Entzugstherapien, ständig wechselnde Partner und regelmäßige, therapeutische Behandlung (Warum hat mich Mami nicht lieb, wenn ich verliere?). Will man das wirklich?
Dann doch lieber Schriftsteller werden und ein Buch rausbringen. Oder Buchkritiker. Warum Buchkritiker? Eines Abends las ich auf der FM4 Homepage einen Artikel über T. Glavinic´s neues Buch "Das bin doch ich". Darin wurde eine der wenigen guten Stellen wiedergegeben und es machte mich neugierig. Tags darauf erneut eine durchwegs positive Kritik auf orf.at gesehen, sowie einen Fernsehbeitrag. Das Buch habe ich dann trotzdem wieder vergessen, aber beim Libro darüber gestolpert und gekauft.
Was soll ich sagen? Ich hätte die 20 Euro genausogut in die Tonne kloppen können.
Es handelt sich um eine Art "Tagebuch" oder "Alltagsgeschichten". Hätte mich an sich nicht gestört. Ich lese gerne, was andere erleben oder beschäftigt, außerdem soll es sich laut diverser Rezensionen um einen äußerst witzigen Erzählstil handeln. Ich habe das Buch also in Erwartung eines feudalen Feuerwerks an Humor und Esprit aufgeschlagen und wurde enttäuscht.
Nein, ich war nicht sofort enttäuscht. Wenn mir ein Buch nicht gefällt, suche ich den Fehler immer erst bei mir. Ich habe nämlich vor Leuten Respekt, deren Geschreibsel veröffentlicht wird. Die müssen gut sein und ich bin der Dilletant. Die anderen Leser haben Humor und den richtigen Zugang und nur ich bin seltsam. Nicht die Zielgruppe. Zu ungeduldig! Zu unreif! Dann wurde ich wütend und legte das Buch weg. Nachdem ich bereits mehrere Seiten übersprungen, mal hier und mal da reingelesen habe, vor und zurück blätterte, konnte ich mir schlussendlich glücklicherweise eingestehen: Langweilig!
Bis auf ein paar Stellen gänzlich humorfrei (was meinen Geschmack betrifft) und inhaltlich sinnentleert. Mich interessieren keine Besäufnisse im Kreise der Intellektuellen-Elite oder dass dem Söhnchen scheinbar die Fähigkeit zum Schlafen fehlt. Auch die missglückten Taxifahrten sind für mich weder witzig, noch haben sie einen essentiellen Grund um überhaupt den Platz auf diesen Seiten einzunehmen!
Dann noch die Erwähnung des bekifften Nachbarn. Ist das überhaupt noch witzig, bekiffte Personen in seine Geschichten einfließen zu lassen? Muss ich mir einen Joint reinziehen um so viel lachen zu können, wie die meisten Leser vor mir? Was rechtfertigt den Preis von 20 Euro (für das Buch, nicht die Drogen)? Um das Geld bekomm ich doch schon ein paar Gramm...
Also, es tut mir leid, aber mir gefällt das Buch nicht. Vielleicht bin ich aber wirklich nur zu ungeduldig, zu unreif, zu seltsam für dieses Schriftstück. Oder habe schlichtweg einen gänzlich anderen Humor als viele, viele, viele andere Leute, die sich ja scheinbar angepisst haben vor Lachen. Das würde widerum bestätigen, dass ich seltsam bin. Was soll´s.
Kommen wir zu zwei Büchern, die mich in den letzten Monaten "emotional getouched" haben: Philipp Roth - Mein Leben als Sohn. Gekauft habe ich mir dieses Buch aus zwei Gründen:
- weil ich beim Blättern im Morawa auf eine Textpassage gestoßen bin, mit der ich genau so und nicht anders meine eigene Beziehung zu meinem Vater beschreiben kann: Er war nicht irgendein Vater, er war DER Vater, mit allem, was es an einem Vater zu hassen gibt, und allem, was es an einem Vater zu lieben gibt.
- und dann war da noch der Klappentext, der einfach nur einen Punkt in mir berührt hat: Ich werde immer als sein kleiner Sohn leben, mit dem Gewissen eines kleinen Sohnes, so wie er immer lebendig bleiben wird, nicht nur als mein Vater, sondern als der Vater, der zu Gericht sitzt über alles, was immer ich tue...
Dazu keine weiteren Erklärungen. Kaufen! Lesen!
Außerdem: Billy Corgan - Blinking with Fists.
Gefühlvolle Gedichte, intelligente Wortspiele, Tränendrücker und Hoffnungsgeber vom Frontman der Smashing Pumpkins. Depression kann Spaß machen!
mirno_more - 27. Apr, 19:00