WIR, ICH UND DU - M. & ME

Unser Streit ist heute längst verziehen. Und irgendwann vielleicht auch vergessen. Die Szenen der aufgebrausten Emotionen schießen mir unerwartet ins Gehirn. So wie heute. Ich schließe die Augen, aber sie verschwinden dadurch nicht. Im Gegenteil, ich träume manchmal davon, weil es das erste Mal war, dass ich Angst um unsere Freundschaft hatte. Sie lag für einen Moment in Splittern auf dem Fußboden. Verdammt, wir haben alles zum Teufel gejagt. Und nachdem wir beide so tief gefallen sind, begriffen wir erst, was wir da angerichtet haben. Für einen Moment lang, gab es keinen Weg nach vor und schon gar keinen Weg zurück. Wir lasen nur in unseren Gesichtern. In deinem stand der Zorn, in meinem die nackte Angst. Und der Friede mit uns und mit einem selbst, war nur eine Frage des Willens und abflauenden Emotionen.
And you may go, but I know you won't leave. Too many years built into memories…

Wir.
Wir sind Helden bei Nacht, manchmal auch Scharlatane. Tagsüber schwanken wir zwischen Euphorie und Schwermut, immer irgendwo zwischen Sein und Nichtsein. Manchmal halten wir uns für Genies und stehen im nächsten Moment als Trottel da. Unser Weg ist manchmal ein Highway und manchmal nicht breiter als ein Drahtseil. Wir können fast alle Lieder, die uns gefallen mitsingen. Und wenn nicht, machen wir einfach die Instrumente nach. Wir freuen uns auf warmes Wetter und Kaffe trinken am Naschmarkt. Wir sehen in peinlichen Situationen den Boden an, in der Hoffnung er möge sich gnädigerweise auftun und uns verschlucken. Wir fühlen uns in starken Momenten wie Giganten. Wir singen lauthals unser Sommerlied 2007 „Love Hurts“ bei jeder Gelegenheit. Wir haben Ringe unter den Augen, weil wir manchmal stundenlang durch Wien laufen und reden, statt zu schlafen. Der Weg ist weit und wir gehen die ganze Nacht. Wir fragen uns, wann wir das letzte Mal glücklich oder unglücklich waren. Wir haben auf alles eine Antwort. Irgendeine. Wir mögen Filme mit Adriano Celentano. Wir wissen, wenn der andere nur eine Umarmung und einen Frustkeks braucht, statt vieler Worte. Wir sind zu jeder Zeit, in jedem Land, jeder Stadt, jeder Situation nur einen Telefonanruf voneinander entfernt. Ich habe dir ein Mal eine Nachricht geschickt mit dem Inhalt: „Wer bin ich, wenn ich dich brauche in jedem Moment in dem ich das Gefühl habe, den Boden unter den Füßen zu verlieren? Wieso schaffe ich „meine Phasen“ nie aus eigener Kraft?“ Du hast nur geantwortet: „Ein Mensch. Ein Mensch bist du. Mein Lieblingsmensch.“

Du.
Du kannst noch staunen. Über vieles und nichts. Du kannst vergeben. Du hast gesagt, ich würde nicht auf die Kleinigkeiten deiner Person achten, was aber nicht schlimm wäre. Auch wenn du das belächelst und als belanglos erachtest, es hat mich getroffen. Denn ich habe dich in mehr als 10 Jahren Freundschaft beinahe auswendig gelernt. Wenn wir uns an manchen Sonntagen zum Frühstück bei dir treffen, bringe ich dir immer die Semmeln vom Mann mit. Du würdest auch die Anker-Semmeln essen, aber ich weiß eben, dass du für jene vom Mann stirbst. Dann schmierst du dir Primina Butter und Waldhonig drauf. Deinen Kaffe trinkst du mit warmer Milch und zwei Löffeln Zucker. Dein Lieblings-Shirt ist mehr als 15 Jahre alt und du hast es in Berlin gekauft. Als Jugendlicher hattest du eine Katze mit nur einem Auge. Du warst mit deinen Eltern im Tierheim und deine Mama hat dich zu den jungen Kätzchen gedrängt, aber dein Herz hatte jenes der Einäugigen längst erkannt. Du lässt dich eben nicht von Äußerlichkeiten blenden, auch wenn du oft gerade in diesem Punkt sehr neurotisch veranlagt wirkst. Du hast eine Schwäche für IKEA Kataloge. Im Sommer verbringst du deine Samstag Vormittage am Naschmarkt und manchmal, wenn wir bei den Ramschständen mit all dem Silberkram und vermeintlichen Antiquitäten angelangt sind, dann erfindest du Geschichten für mich und erklärst mir, was die dort ausgestellte Ware schon alles erlebt hat. Ich habe mich gebogen vor Lachen, als du zu einem der Standbesitzer, der uns sein Bild als „absolute Rarität“ verkaufen wollte, gesagt hast: „Jaja, ich kenne mich mit solchen Dingen sehr gut aus. Dieses Bild ist sicher aus der Epoche „Später IKEA“.“ Apropos Alt: Du hast von deiner The Cure CD „Disintegration“ über 10 Sicherungskopien auf CD gemacht, sollte sie mal kaputt gehen. Außerdem ist die CD noch auf dem PC abgespeichert und sollte sich dieser mal aus seinem irdischen Dasein verabschieden, hast du die Dateien noch auf deinem USB Stick. Ich weiß vielleicht mehr über dich, als du selbst. Und du kennst mich besser als ich. Du bist du. Du bist gut, so wie du bist. Du bist mit deinen schlechten, wie auch mit deinen guten Seiten vollkommen. Bitte werde nicht anders.

Aber, wenn du wieder wochenlang wegfährst, erfasst mich die kindlichste aller Traurigkeiten. Die Angst, dass du vielleicht nicht mehr zurück kommst.

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Kommentare

hilfe!
WAH - GAHHH - gaga. wieso seien sie umgezogen sind?...
ich (anonym) - 9. Aug, 10:45
peinlichkeiten aus der...
ich möchte doch bitte erinnern, dass unser exzessives...
ab_alone - 7. Aug, 11:25
aaahaarrrrrrrr, wäre...
aaahaarrrrrrrr, wäre ja nur zu gut gewesen, wenn...
mirno_more - 7. Aug, 08:13

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