ALLES SCHIEN MÖGLICH
Wir haben sie gemeinsam geflickt, unsere Wunden. In dunklen Ecken saßen wir und versuchten die Nähte so gerade wie möglich zu machen. Wir haben uns gegenseitig dabei geholfen die Narben schneller verheilen zu lassen. Wir konnten gemeinsam schweigend nebeneinander sitzen, weil wir nie das Bedürfnis hatten eine angenehme Stille durch zwanghaftes Geplapper zu unterbrechen. An manchen Tagen blickten wir reumütig auf vergangene Zeiten und was wir wann wo und wie besser hätten machen sollen und können. Oder analysierten, wann wir unsere Geduld überstrapazierten und wann wir noch ein wenig mehr davon hätten investieren müssen. Die Wahrheit ist, dass hätte nie etwas am Verlauf der Dinge geändert. Die Wahrheit ist, wir konnten nicht mehr still sitzen, auf unserem Leben, dass wir so gemütlich unter uns platziert haben. Niemand konnte bestreiten, dass wir nicht versucht haben zu beweisen. Beweisen, dass wir es drauf haben. Als wir anfingen, auf jene Tage zurück zu blicken in denen wir anders waren und das uns besser vorkam, als das was wir heute darstellen, begriffen wir auch gleichzeitig. Wir waren nie besser. Wir waren nur anders. Die Wahrheit ist, es war uns egal, weil wir immer authentisch geblieben sind. Selbst dann, wenn wir nur so taten, als ob.
Jetzt stehe ich vor deiner Wohnungstür, fühle mich verraten und verkauft. Steh vor der Tür und trau mich nicht mehr rein. So lange habe ich es geahnt, aber mich auf den Moment vorzubereiten war unmöglich. Habe geahnt, habe verdrängt und jetzt, wo es so weit ist, kann ich die Gedanken kaum noch ertragen. Lange sah die Wohnung so aus, als wärst du nur kurz gegangen, kämst gleich wieder rein. Die einzige Erkenntnis, die bleibt, ist die, dass man sich nicht darauf vorbereiten kann. Man kann sich nicht darauf vorbereiten, dass jemand einfach geht. Geht und mir Erinnerungen hinterlässt, die im Moment weh tun, statt sich in der Schönheit zu entfalten, deren Wert sie eigentlich haben sollten. Du bist kein Verräter und doch halte ich dich für einen.
Deshalb erkläre dich nicht, denn diese Sätze helfen niemanden. Diese Sätze helfen nur dir und niemals dem, der sie hört. Verschwende deinen Atem nicht mit Wörtern, wie „Besuch“ und „Urlaub“ und „Weihnachten“, die alle die Absicht eines Wiedersehens implizieren. Sag nicht „Ich bin ja nicht aus der Welt“ wenn du dich in Wirklichkeit aus meiner Welt heraus schneidest, wie etwas, dass man einfach hinter sich lassen kann. Lüg die Wahrheit nicht schön, wenn du genau weißt, dass sich in dem Moment deiner Entscheidung etwas zwischen uns drängen wird. Es wird immer in der Luft hängen, dieses Gefühl. Bei jedem Wiedersehen. Blickwinkel werden sich verschieben. Emotionen werden sich verändern und das Gefühl für uns und unsere Freundschaft wird einen Riss bekommen, der auf den ersten Blick nicht sichtbar ist, aber in der Empfindung so spürbar, dass er weh tun wird.
Wie du dich entscheidest, ist nicht beeinflussbar. Du wirst irgendwann zu dem Entschluss kommen: So, das war´s. Dann wirst du gehen. In eine von den zwei Richtungen, die dir offen stehen. Wir werden am Abend deiner Entscheidung alle da sein, so wie du es dir gewünscht und geplant hast. Wir werden essen, trinken und über alle schönen Themen reden, die uns einfallen, bis du uns deine Entscheidung mitteilst. Vermutlich hast du dabei ein Glas in der Hand, wie man bei wichtigen Entscheidungen doch immer ein Glas in der Hand hält. Man wird dir zuprosten, was auch immer du sagst. Nur ich, ich werde dir in einem Fall nicht zuprosten. Weil ich es nicht über mich bringen kann. Ich werde dir in diesem Moment alles Gute und alles Schlechte gleichzeitig wünschen.
Alles Gute, weil es meine gottverdammte Pflicht ist, als Freundin und weil man in einer Freundschaft den eigenen Egoismus auch mal beiseite schieben muss. Alles Schlechte, weil sich der Egoismus nicht immer verdrängen lässt und ich mir wünschen werde, dass nicht alles nach deinem Plan läuft, sodass du wieder nach Wien zurück kommen musst. Und das fühlt sich lächerlich, dumm und verbittert an, aber wir haben uns mal geschworen nie ganz erwachsen zu werden und nie aus dem Leben des Anderen zu verschwinden. Ich weiß, es ist dein „next big thing“, dieses Leben im Big Apple und es fällt mir schwer jetzt nicht irgendwas kaputt zu schlagen.
Ich vermisse nämlich jetzt schon, wenn du zu mir an einem guten Tag, der irgendwann immer auf eine dieser Phasen folgt in denen wir das Leben im Allgemeinen und jeden einzelnen Tag im Besonderen verfluchen, im sarkastischen Ton sagst:
„Wieder ein finsteres Tal durchschritten. Prost.“
Und ich lache mich dann halbtot und es fühlt sich gut an.
Ich bin wirklich nicht glücklich über deine Erwägung, die wir alle schon ahnten, bevor du sie uns nach einem halben Jahr deiner Abstinenz vor den Latz geknallt hast. Ich bin auch nicht glücklich, dass ich mich zu diesen gruseligen Gedanken und Gefühlen hinreissen hab lassen, aber es kann sich in meinem Kopf eben nicht immer alles nur um modischen Firlefanz, Party und meine Lieblingsbar drehen. Ja, das finde ich auch sehr schade.
Alles schien möglich. Alles scheint noch möglich. Wie auch immer du dich entscheidest: Hauptsache ist, es tut dir nicht leid.
Jetzt stehe ich vor deiner Wohnungstür, fühle mich verraten und verkauft. Steh vor der Tür und trau mich nicht mehr rein. So lange habe ich es geahnt, aber mich auf den Moment vorzubereiten war unmöglich. Habe geahnt, habe verdrängt und jetzt, wo es so weit ist, kann ich die Gedanken kaum noch ertragen. Lange sah die Wohnung so aus, als wärst du nur kurz gegangen, kämst gleich wieder rein. Die einzige Erkenntnis, die bleibt, ist die, dass man sich nicht darauf vorbereiten kann. Man kann sich nicht darauf vorbereiten, dass jemand einfach geht. Geht und mir Erinnerungen hinterlässt, die im Moment weh tun, statt sich in der Schönheit zu entfalten, deren Wert sie eigentlich haben sollten. Du bist kein Verräter und doch halte ich dich für einen.
Deshalb erkläre dich nicht, denn diese Sätze helfen niemanden. Diese Sätze helfen nur dir und niemals dem, der sie hört. Verschwende deinen Atem nicht mit Wörtern, wie „Besuch“ und „Urlaub“ und „Weihnachten“, die alle die Absicht eines Wiedersehens implizieren. Sag nicht „Ich bin ja nicht aus der Welt“ wenn du dich in Wirklichkeit aus meiner Welt heraus schneidest, wie etwas, dass man einfach hinter sich lassen kann. Lüg die Wahrheit nicht schön, wenn du genau weißt, dass sich in dem Moment deiner Entscheidung etwas zwischen uns drängen wird. Es wird immer in der Luft hängen, dieses Gefühl. Bei jedem Wiedersehen. Blickwinkel werden sich verschieben. Emotionen werden sich verändern und das Gefühl für uns und unsere Freundschaft wird einen Riss bekommen, der auf den ersten Blick nicht sichtbar ist, aber in der Empfindung so spürbar, dass er weh tun wird.
Wie du dich entscheidest, ist nicht beeinflussbar. Du wirst irgendwann zu dem Entschluss kommen: So, das war´s. Dann wirst du gehen. In eine von den zwei Richtungen, die dir offen stehen. Wir werden am Abend deiner Entscheidung alle da sein, so wie du es dir gewünscht und geplant hast. Wir werden essen, trinken und über alle schönen Themen reden, die uns einfallen, bis du uns deine Entscheidung mitteilst. Vermutlich hast du dabei ein Glas in der Hand, wie man bei wichtigen Entscheidungen doch immer ein Glas in der Hand hält. Man wird dir zuprosten, was auch immer du sagst. Nur ich, ich werde dir in einem Fall nicht zuprosten. Weil ich es nicht über mich bringen kann. Ich werde dir in diesem Moment alles Gute und alles Schlechte gleichzeitig wünschen.
Alles Gute, weil es meine gottverdammte Pflicht ist, als Freundin und weil man in einer Freundschaft den eigenen Egoismus auch mal beiseite schieben muss. Alles Schlechte, weil sich der Egoismus nicht immer verdrängen lässt und ich mir wünschen werde, dass nicht alles nach deinem Plan läuft, sodass du wieder nach Wien zurück kommen musst. Und das fühlt sich lächerlich, dumm und verbittert an, aber wir haben uns mal geschworen nie ganz erwachsen zu werden und nie aus dem Leben des Anderen zu verschwinden. Ich weiß, es ist dein „next big thing“, dieses Leben im Big Apple und es fällt mir schwer jetzt nicht irgendwas kaputt zu schlagen.
Ich vermisse nämlich jetzt schon, wenn du zu mir an einem guten Tag, der irgendwann immer auf eine dieser Phasen folgt in denen wir das Leben im Allgemeinen und jeden einzelnen Tag im Besonderen verfluchen, im sarkastischen Ton sagst:
„Wieder ein finsteres Tal durchschritten. Prost.“
Und ich lache mich dann halbtot und es fühlt sich gut an.
Ich bin wirklich nicht glücklich über deine Erwägung, die wir alle schon ahnten, bevor du sie uns nach einem halben Jahr deiner Abstinenz vor den Latz geknallt hast. Ich bin auch nicht glücklich, dass ich mich zu diesen gruseligen Gedanken und Gefühlen hinreissen hab lassen, aber es kann sich in meinem Kopf eben nicht immer alles nur um modischen Firlefanz, Party und meine Lieblingsbar drehen. Ja, das finde ich auch sehr schade.
Alles schien möglich. Alles scheint noch möglich. Wie auch immer du dich entscheidest: Hauptsache ist, es tut dir nicht leid.
mirno_more - 20. Jul, 22:00