Donnerstag, 8. Mai 2008

LOFTE UND IHRE BEWOHNER

Neulich war ich auf einer Wohnungseinweihung, wobei es sich bei dieser Wohnung um ein geräumiges Loft handelte. Lofte (korrekter Plural übrigens) sind immer etwas spezielles. Es ist eine sehr eigenwillige Form des Wohnens und nicht jeder ist ein Freund von weiten offenen Räumen. In meinen Augen ist es die ideale Singlewohnung bzw. für Pärchen ohne Kinder auch geeignet. Mit einem Wort: Wer im Loft lebt, macht ganz gerne Party. Bis heute durfte ich insgesamt 4 dieser Wohnformen von innen betrachten. Ein interessanter Einblick in die diversen Singlepsychen und eine Erfahrung mehr, die man über sich selbst macht.

Loft # 1:
Die Singlewohnung von Markus und meine allererste Begegnung mit einem Loft. Ich war 16 und schwerstens beeindruckt von so viel Raum, Stil und Designermöbeln.
Im Wohnzimmer sitzend konnte man sogar ins Bad sehen, welches aber glücklicherweise durch eine Milchglastür zumindest einen kleinen Teil Intimsphäre wieder zurück gab.
Der einzige Raum, der nicht komplett einsehbar und sogar mit einer richtigen undurchsichtigen Türe ausgestattet, war das Klo. Wäre dieses Klo nicht gewesen, wären aus Markus und mir nie Freunde geworden, weil ich beim ersten Harndrang die Wohnung hätte verlassen müssen. Somit hätte mein erster Besuch bei ihm nach 15 Minuten sein jähes Ende gefunden.

Wir verbrachten viele Abende in dieser Wohnung. Manchmal nur zu zweit, manchmal hatten wir eine Riesenparty. Irgendwie war dieser Ort immer mit schönen Erinnerungen verbunden. Selbst am schrecklichsten Silvesterabends unseres Lebens war das Loft für Markus und mich ein Ort der Geborgenheit, wo wir uns hemmungslos betrinken konnten und aus den Panoramafenstern das Feuerwerk betrachteten.

Ich liebte dieses Loft und habe Bäche voller Tränen vergossen, als Markus es aufgab um in eine "richtige Wohnung" zu ziehen. Also mit Zimmern und Wänden. Als ich das letzte Mal beim Fenster stand und rüber zur Sezession blickte, schniefend und schluchzend an meiner Zigarette zog, kam Markus auf mich zu und sagte: "Ach mein Püppilein. Es ist doch egal, wo du mir die Ohren mit deinen Männergeschichten vollsingst. Das hat doch nichts mit dieser Wohnung zu tun. Nicht das Loft hat unsere Geschichten geschrieben, sondern wir selbst waren das."

Heute denke ich nicht mehr so oft an das Loft, oder würde mir wünschen, irgendjemand den ich kenne hätte es genommen. Das Loft war da, zu einer Zeit in der wir es brauchten. Wir waren ungestüm, dekadent und überheblich. Wir waren unkontrolliert, ungebremst und ohne Manieren. Wir waren Helden. Wir waren traurig, depressiv und selbstzerstörerisch. All diese Momente, in denen wir unsere Existenz verfluchten und darauf noch einen weiteren Schluck nahmen. Wir haben nie aufgehört zu feiern und obwohl wir immer noch laut sind, sind wir dennoch leiser geworden. Die Beziehung zum Loft wäre zu einem anderen Zeitpunkt eine vollkommen andere gewesen. Vermutlich eine ruhigere, besonnenere.

Loft # 2:
Ich mochte es nicht. 200 m², die hauptsächlich aus Chrom und Glas bestanden und "Mein Besitzer ist 40, wär aber gerne wieder 20" geschrien haben. Ich bedauerte den Eigentümer ein wenig und verließ die Party vorzeitig.

Loft # 3:
Wie soll ich das nennen? Warum war ich dort? Es war keine Party, es war aber auch kein Freundschaftsbesuch. Es war eine Art Pseudo-date mit jemanden, der ...Himmel, dieser Abend wird auf ewig als jener Abend in die Geschichte eingehen, der mein mühsam erworbenes Selbstbewusstsein für Wochen in den Keller geschossen hat. Egal. Da saß ich nun in diesem 200 m² Refugium und doch sah es irgendwie gemütlich aus. Ich fühlte mich wohl, wir hatten Spaß aber diesem Loft fehlte der Partygeist. Hier zog ein Mann Ende 20 ein, der innerlich bereits ein Greis war.

Loft # 4
Jenes Loft, dessen Wohnungseinweihung erst kürzlich war. Es hat seinen eigenen Charme. Das erste, was mir auffiel war, dass der ursprüngliche Kultcharakter des Lofts beibehalten wurde: bei den Wänden sind die Ziegel zu sehen. Die Wohnung erweckt in seiner Innenarchitektur wirklich den Eindruck, als würde sich dieser Raum in einer Fabrikshalle befinden, womit wir natürlich bei einem Loft wären, so wie es wirklich sein sollte. Aber wer will heute schon in Fabrikshallen wohnen? Deshalb fand ich die Idee witzig, die Wände nicht zu verputzen und der Wohnung somit Understatement mit Attitüde zu geben.
Die Partymeute war schon von der Straße aus zu hören, was mich sofort an unsere Loft-Parties erinnert hat. Menschen, die gerne Party machen, brauchen ein Loft. Und ein Loft will nur Menschen, die gerne Party machen. Sonst verliert es seinen Charme.

Zum Abschluß noch folgende Frage an die LektorInnen da draußen: heißt es das oder die Loft?

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Kommentare

hahahahhaa
martin und ich haben uns amüsiert. kommentar...
ronny (anonym) - 24. Jul, 12:12
Tontaubenschießen...
man muss sich die Szenerie ja mal umgelegt auf das...
mirno_more - 23. Jul, 17:47
HA!
Ein Jägersmann! Aber GottseiDank nur der Chef!...
Scholli (anonym) - 23. Jul, 14:33

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Zuletzt aktualisiert: 24. Jul, 16:57

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