Montag, 12. Mai 2008

DAS WOCHENENDE KURZ ERZÄHLT

Ich liege seit Freitag mit verstopften Nebenhöhlen, Husten und Fieber im Bett.

Müßig zu erwähnen, dass es sich um ein verlängertes, nämlich das Pfingstwochenende handelt.

Noch müßiger zu erwähnen, dass es seit Freitag durchgehend sonnig ist, mit Temperaturen um die 25 Grad.

I HATE THE WORLD AND I WANT TO DIE!

Gestern war Muttertag. Das erinnerte mich an eine Geschichte, die mich in schallendes Gelächter ausbrechen ließ.

Und dann in ein lungenzerfetzendes Husten.

Lache seitdem nicht mehr.

Weine eigentlich nur noch. Selbst während dem Schreiben dieser Zeilen weine ich unaufhörlich.

Ha Ha. Ihr glaubt echt alles, ihr Bananen!

Die Geschichte haben Markus und ich übrigens „Deine Muddaaaaaa“ getauft. Muss das hier mal niederschreiben. Es geht dabei hauptsächlich darum, wie wir in einem Café sitzen und das Blumengeschäft gegenüber beobachten und wie ein verzweifelter Mann nach dem anderen, am „MUDDAAAADAG“ reingeht und sie allesamt fernab vom guten Geschmack hässliche Blumensträuße kaufen. Legender was Markus irgendwann zu einem Typen rüber schrie, der im Begriff war ein paar verdorrte Stengel mit Schleier zu kaufen: „Alteeeeer! Nur weil sich das Ding BLUME nennt, heißt das nicht, dass es schön ist! Pack das Kraut weg und nimm den obligatorischen Rosenstrauß! Ist zwar absoluter Durchschnitt, hat aber wenigstens Stil!!!!! Meine Fresse“

Küre „Du Banane“ ab sofort zur neuen Lieblings-Beleidigung. Wer mein Verhältnis zu Bananen kennt, weiß was das bedeutet.

Ich danke der Banane, die diesen Virus auf mich übertragen hat und vermutlich gerade wie ein junges Reh durch die Stadt springt.

Im Fernsehen läuft übrigens nur Schrott, der mich schockt.

Ich habe seit Freitag keine einzige Zigarette mehr geraucht. Muss aber zugeben, dass ich schon ganz gerne gesund wäre und mich in einer Vision mit vollem Kaffeebecher und rauchend sehe.

Es kann gut sein, dass ich ohne Nikotin noch gehässiger bin als gewöhnlich.

Überlege allerdings ernsthaft auszuprobieren, wie lange ich es ohne Zigarette aushalte, wenn ich wieder völlig gesund bin.

Kabel 1 packt an Feiertagen die ganz schlechten Filme aus. Nämlich jene, in denen sich die selbst gebastelten Monster (Pappmachee?) sehr abgehakt bewegen und das Größenverhältnis absolut nicht zusammen passt. Weitgehend handelt es sich dabei meistens um Filme über die Helden der griechischen Antike.

MTV ist mit dem Depeche Mode Special Held des Tages.

Dave Gahan feiert heute übrigens seinen 46. Geburtstag.

Alles Gute Dave! Willst du mich heiraten?

Um gleich allen Unkenrufen zuvor zu kommen: Ich weiß selbst, dass ich einen leicht freakigen Männergeschmack habe.

Zum Schluss noch mein Autofahr-Lied schlechthin bei langen Strecken. Vor allem bei jenen, deren Ziel irgendwo ganz weit weg im Süden bei Sonne, Strand und Meer liegt. LOVE IT! LOVE DAVE!

Donnerstag, 8. Mai 2008

LOFTE UND IHRE BEWOHNER

Neulich war ich auf einer Wohnungseinweihung, wobei es sich bei dieser Wohnung um ein geräumiges Loft handelte. Lofte (korrekter Plural übrigens) sind immer etwas spezielles. Es ist eine sehr eigenwillige Form des Wohnens und nicht jeder ist ein Freund von weiten offenen Räumen. In meinen Augen ist es die ideale Singlewohnung bzw. für Pärchen ohne Kinder auch geeignet. Mit einem Wort: Wer im Loft lebt, macht ganz gerne Party. Bis heute durfte ich insgesamt 4 dieser Wohnformen von innen betrachten. Ein interessanter Einblick in die diversen Singlepsychen und eine Erfahrung mehr, die man über sich selbst macht.

Loft # 1:
Die Singlewohnung von Markus und meine allererste Begegnung mit einem Loft. Ich war 16 und schwerstens beeindruckt von so viel Raum, Stil und Designermöbeln.
Im Wohnzimmer sitzend konnte man sogar ins Bad sehen, welches aber glücklicherweise durch eine Milchglastür zumindest einen kleinen Teil Intimsphäre wieder zurück gab.
Der einzige Raum, der nicht komplett einsehbar und sogar mit einer richtigen undurchsichtigen Türe ausgestattet, war das Klo. Wäre dieses Klo nicht gewesen, wären aus Markus und mir nie Freunde geworden, weil ich beim ersten Harndrang die Wohnung hätte verlassen müssen. Somit hätte mein erster Besuch bei ihm nach 15 Minuten sein jähes Ende gefunden.

Wir verbrachten viele Abende in dieser Wohnung. Manchmal nur zu zweit, manchmal hatten wir eine Riesenparty. Irgendwie war dieser Ort immer mit schönen Erinnerungen verbunden. Selbst am schrecklichsten Silvesterabends unseres Lebens war das Loft für Markus und mich ein Ort der Geborgenheit, wo wir uns hemmungslos betrinken konnten und aus den Panoramafenstern das Feuerwerk betrachteten.

Ich liebte dieses Loft und habe Bäche voller Tränen vergossen, als Markus es aufgab um in eine "richtige Wohnung" zu ziehen. Also mit Zimmern und Wänden. Als ich das letzte Mal beim Fenster stand und rüber zur Sezession blickte, schniefend und schluchzend an meiner Zigarette zog, kam Markus auf mich zu und sagte: "Ach mein Püppilein. Es ist doch egal, wo du mir die Ohren mit deinen Männergeschichten vollsingst. Das hat doch nichts mit dieser Wohnung zu tun. Nicht das Loft hat unsere Geschichten geschrieben, sondern wir selbst waren das."

Heute denke ich nicht mehr so oft an das Loft, oder würde mir wünschen, irgendjemand den ich kenne hätte es genommen. Das Loft war da, zu einer Zeit in der wir es brauchten. Wir waren ungestüm, dekadent und überheblich. Wir waren unkontrolliert, ungebremst und ohne Manieren. Wir waren Helden. Wir waren traurig, depressiv und selbstzerstörerisch. Goldene Momente, in denen wir unsere Existenz verfluchten und ein weiterer Schluck uns langsam in den Schlaf wiegte. Wir haben nie aufgehört zu feiern und obwohl wir immer noch laut sind, sind wir dennoch leiser geworden. Die Beziehung zum Loft wäre zu einem anderen Zeitpunkt eine vollkommen andere gewesen. Vermutlich eine ruhigere, besonnenere.

Loft # 2:
Ich mochte es nicht. 200 m², die hauptsächlich aus Chrom und Glas bestanden und "Mein Besitzer ist 40, wär aber gerne wieder 20" geschrien haben. Ich bedauerte den Eigentümer ein wenig und verließ die Party vorzeitig.

Loft # 3:
Wie soll ich das nennen? Warum war ich dort? Es war keine Party, es war aber auch kein Freundschaftsbesuch. Es war eine Art Pseudo-date mit jemanden, der ...Himmel, dieser Abend wird auf ewig als jener Abend in die Geschichte eingehen, der mein mühsam erworbenes Selbstbewusstsein für Wochen in den Keller geschossen hat. Egal. Da saß ich nun in diesem 200 m² Refugium und doch sah es irgendwie gemütlich aus. Ich fühlte mich wohl, wir hatten Spaß aber diesem Loft fehlte der Partygeist. Hier zog ein Mann Ende 20 ein, der innerlich bereits ein Greis war.

Loft # 4
Jenes Loft, dessen Wohnungseinweihung erst kürzlich war. Es hat seinen eigenen Charme. Das erste, was mir auffiel war, dass der ursprüngliche Kultcharakter des Lofts beibehalten wurde: bei den Wänden sind die Ziegel zu sehen. Die Wohnung erweckt in seiner Innenarchitektur wirklich den Eindruck, als würde sich dieser Raum in einer Fabrikshalle befinden, womit wir natürlich bei einem Loft wären, so wie es wirklich sein sollte. Aber wer will heute schon in Fabrikshallen wohnen? Deshalb fand ich die Idee witzig, die Wände nicht zu verputzen und der Wohnung somit Understatement mit Attitüde zu geben.
Die Partymeute war schon von der Straße aus zu hören, was mich sofort an unsere Loft-Parties erinnert hat. Menschen, die gerne Party machen, brauchen ein Loft. Und ein Loft will nur Menschen, die gerne Party machen. Sonst verliert es seinen Charme.

Zum Abschluß noch folgende Frage an die LektorInnen da draußen: heißt es das oder die Loft?

Mittwoch, 7. Mai 2008

MEIN ART DIRECTOR

Der Art Director dieses Blogs ist: Jasmine S.
Wofür sie nicht verantwortlich ist: Das gesamte Layout dieses Blogs. Dieses ist ja eine Vorlage von twoday.net, derer ich
mich als programmiertechnischer Stümper natürlich dankend bediene.

Wofür sie aber sehr wohl verantwortlich ist: die ein oder andere Zeichnung/Grafik, die man demnächst hier bewundern kann. Einen kleinen Vorgeschmack ihres Könnens haben Sie als Leser bereits erhalten, der kecke Gelsenbub von dieser Geschichte stammt aus ihrer Feder.

Frau S. hat den Gelsenbub übrigens in 5 Minuten vollbracht. Würde ich ihr mehr Zeit geben, könnte die Frau noch ganz anderes zustande bringen. Aber ich bin ja ungeduldig und Frau S. kennt mich bereits zu genüge. So denkt sie sich vermutlich bei jedem meiner Aufträge mit einem gütigen Lächeln: "Ach das Zornbinkerl will schon wieder alles sofort. Na dann zeichne ich ihr im Vorbeigehen halt irgendwas."
Übrigens: ein Blick auf die Bilder in ihrer Wohnung offenbart sogar einem Amateur wie mir: Hier wohnt ein kleiner Picasso!
Außerdem ist ein Karl Lagerfeld an ihr verloren gegangen. Auf die Jeansjacke die sie mir gemacht hat, wurde ich bereits mehrmals angesprochen. Wie Sie also sehen, lieber Leser: Ich suche mir meine Freunde nach ihrem Können aus.

Bei Frau S. war rasch zu erkennen, welch Potenzial ich aus ihrem Können schlagen werde. Ein Rohdiamant, den ich unbedingt meinen Kontakten hinzufügen musste. Bereits zu Schulzeiten war Frau S. für alles
grafisch-zeichnerisch-künstlerische zuständig, während ich mich dem Texten widmete. Gemeinsam sind wir quasi schon eine halbe Werbeagentur mit Sitz im Big Apple. Wir wären so etwas wie das weibliche Dolce Gabbana der Werbebranche und würden unsere wichtigen Entwürfe und Konzepte in das ultraflache Airbook von Apple hämmern, während wir mit unserem iPhone nach Singapur telefonieren um den Luxusurlaub zu buchen.

Frau S. und ich sind übrigens auch gefürchtete Reiter. Legendär unser Frühlingsausritt im Jahr 2005, bei dem es sie gleich 3 Mal innerhalb von 10 Minuten vom buckelnden Pferd fiel, was ihr bis heute meinen unverhohlenen Respekt eingebracht hat.

Sie sehen: die Frau ist Gold Wert. Wenn auch Sie sich ein wenig im künstlerischen Licht der Jasmine S. sonnen wollen: Anfragen laufen ausnahmslos über mich.

Dienstag, 6. Mai 2008

MIR GEHT ES GUT

Mir geht´s gut. Wirklich gut. Und das schon seit ungefähr 10 Tagen. Das sage ich jetzt nicht, damit ihr euch keine Sorgen mehr um mich machen müsst, selbstverständlich konsultiere ich weiterhin meinen Therapeuten und füttere meinen Welthass, aber es gehen doch seltsame Regungen in Frau Goodkat vor.

Da wäre mal die Tatsache, dass ich letztes Wochenende nüchtern war. Von Freitag bis Sonntag. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch nicht fort war. Wenn ich fortgewesen wäre, hätte ich selbstverständlich gesoffen wie ein Matrose.
Ich glaube, ich bin im Begriff zu lernen die Dinge anzunehmen, wie sie eben kommen. Das bedeutet nicht, dass ich deswegen weniger cholerisch, stur, jähzornig und zynisch bin. Jedenfalls ist es nun mal so, dass ich vor zwei Wochen wieder mal eine Begegnung hatte mit einer Person, die mich normalerweise komplett verwirrt und aus der Bahn wirft. Ich laufe dann rum, wie ein deprimiertes Elefantenbaby und weiß gar nicht, wo ich überhaupt hin soll. Diesmal nicht.

Seit gestern weiß ich, dass ich zwei Kinder im Alter von 11 und 9 hüten kann und gleichzeitig eine gewisse Organisation habe. Zwar bleibt dabei die Organisation meines Lebens auf der Strecke, aber bis jetzt habe ich es geschafft, dass beide ihr Essen bekommen, die Hausaufgaben machen, lernen, pünktlich in der Schule erscheinen (angezogen), genügend Geld mit haben, ihre Schlüssel nicht vergessen, ihre Handys nicht vergessen, mich anrufen, wenn sie zuhause sind, den nächsten Tag organisieren, weil ihre Mutter in Tel Aviv fest sitzt (Stewardess), aus ihrer Wohnung wieder ein betretbares Refugium zu machen, Unmengen Geschirr abzuwaschen, usw. Wie es in meiner Wohnung aussieht und wie ich heute zur Arbeit erschienen bin, das lassen wir jetzt mal außen vor. Zumindest habe ich es geschafft saubere Kleidung aus dem Kasten zu fischen, mein übermüdetes Gesicht hinter einer riesigen Pilotenbrille zu verstecken und in meine brandneuen Lackballerinas zu schlüpfen. In diesem Aufzug Tamara zur Schule gebracht. Angeblich erhielt sie dadurch den unverhohlenen Respekt ihrer Mitschüler, die ihren Angaben zufolge sagten: „Deine Tante schaut ja uuuur cool aus“. Wow. Mäßige Komplimente von 11-jährigen. Bekomme ja sonst keine. Werde versuchen mich das nächste viertel Jahrhundert daran zu laben.

Der Frühling kommt. Oder ist schon da. Whatever. Ich erinnere mich wieder an meine Lieblingsplätze, die ich gerne besuche, wenn die Eisbären nicht mehr jubelnd durch die Stadt laufen. Das sind ganz einfache Orte. Ich rede dabei nicht von immergrünen Wiesen auf denen kniehoch der Mohn wächst, ich auf einer Parkbank sitze und ein lila Schmetterling küsst mich auf die Wange während eine Amsel ihr kleines Lied in mein Öhrchen trällert. Sollte ich jemals einen derartigen Kitschanfall bekommen, bitte ich um sofortige Einweisung in eine der hiesigen Anstalten. Ich rede hier vom Naschmarkt am Samstag Vormittag. Unzählige Leute, Marktgeschrei vom Feinsten und ich sitze am Rand mit einer Muratti und einem Café Latte, das geschäftige Treiben beobachtend.

Oder die leeren Straßen in der Innenstadt um zwei Uhr Morgens. Der Graben, oder der Michaelerplatz. Hin und wieder kreuzen andere Nachtschwärmer meinen Weg. Mehr oder weniger betrunken, als ich.

Der Heimweg, wenn es langsam beginnt hell zu werden. Man begegnet all den anderen, die genau wie man selbst, gerade aus irgendeinem dunklen Schuppen gekrochen sind, nichts gesucht und nichts gefunden haben. Jeder geht seines Weges und doch sieht man sich verschwörerisch an, als würde man für den Zeitraum eines Sonnenaufgangs Teil einer Gruppe sein, die etwas gemeinsam hat.

Endlich habe ich wieder Bücher gefunden, die mich zum Nachdenken und zum Lachen bringen. Oscar Wilde „Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze“ und „Die Bibel nach Biff“ von Christopher Moore. Beide treiben mir die Tränen in die Augen. Wilde, weil er zum Teil so knallharte Sachen von sich gibt, wie „Herzen sind dazu da, um gebrochen zu werden“ und Moore, weil ich mir gestern beinahe ins Höschen gelullt hätte vor Lachen.

Apropos Herzen. Ich finde es schön, wenn ich Augen- und Ohrenzeuge eines solchen Gesprächs werde: Person A fragt Person B: „Was findest du überhaupt an dem Kerl? Der hat doch nix.“ Während ich stumm in mich hinein grinse und Person A noch über die Frage nachdenkt auf einmal Person C sagt: „Vielleicht bringt er sie zum Lachen?“ Und das war ganz und gar nicht ironisch gemeint. Es sollte der Person B einfach zeigen, dass es hinter den Oberflächlichkeiten noch ein Türchen gibt, das es aufzumachen gilt. Man kann darüber nicht streiten, ob der Beginn einer Romanze etwas mit dem Aussehen zu tun hat. Klar hat sie das. Jeder urteilt nach seinen eigenen Vorlieben und da fallen manche schon aus, bevor sie noch überhaupt den Mund aufgemacht haben. Aber wer sich in die Fassade verliebt und nach dieser Rosa-Brille-Phase noch immer nur die Fassade sieht, der ist VERliebt. Mehr nicht. Das ist traurig UND wahr. Liebe ist etwas ganz, ganz anderes. Die ursprüngliche Form der Liebe beginnt schon mit all diesen Kleinigkeiten, die man vergeblich am anderen befragt, die einen verstören und über die man nachdenken muss. Das sind die Ansätze, die ersten Triebe. Ich vermag gar nicht an dieser Stelle darauf im Detail einzugehen, sonst würde ich irgendwann mit schlohweißem Haar hier sitzen. Aber auf eines möchte ich noch hinweisen. Die Königsklasse: die bedingungslose Liebe. Das hat nichts mit Lack, Leder und Demut zu tun. Die bedingungslose Liebe erfährt man nur von ganz wenigen Personen. Wenn man Glück hat. Bedingungslose Liebe schenken Kinder, Eltern und Tiere.

Alter Falter, ich kann hier nicht annähernd beschreiben, wie ich das von meinem Empfinden her eigentlich meine. Dieses ganze Liebeszeugs ist für mich eine Nummer zu groß um es beSCHREIBEN zu können, deshalb lass ich obiges mal so im Raum stehen. Vielleicht fällt mir irgendwann die ultimative, die weiseste aller weisen Philosophien dazu ein. Und ich will zumindest in diesem Bezug nicht missverstanden und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Mit dem Geschreibsel von oben kann doch kein Schwein was anfangen. Und mein Rechtschreibprogramm übrigens auch nicht. Der gesamte letzte Absatz ist grün unterwellt. JA WAS WILLST DU DENN VON MIR? Was für ein Problem hast du mit „die weiseste aller weisen Philosophien“? HA? Da! Das Rechtschreibprogramm macht es schon wieder! Ach, fick dich doch.

Gut, mir schwillt schon wieder der Kamm. Langsam sollte ich mich für ein „Anti-Aggressionsprogramm“ anmelden. Dann werde ich vielleicht älter als 45. Womit ich wieder beim Anfang wäre. Mir geht´s gut. Aber deshalb bin ich nicht weniger cholerisch, stur, jähzornig und zynisch. Alles klar? :-)

Sonntag, 4. Mai 2008

Wir, ich und Du (Ronny & me)

Wir
Wir lächeln. Wir machen Nächte durch, unabhängig voneinander und doch ist die andere immer irgendwie dabei. Wir feiern und flennen manchmal gleichzeitig. Wir streiten uns nicht um Jack Sparrow oder Will Turner, weil ich Jack begehre und du Will vergötterst. Trinkt aus Piraten, YO HO! Unsere Probleme wälzen wir aus oder kehren sie unter den Teppich. Je nachdem, wonach uns gerade der Sinn steht. Würde jemand mal einen Zipfel dieses Teppichs hoch heben, was wir uns insgeheim vielleicht wünschen, kämen ihm eine Horde Neurosen, verkniffene Sätze, verpasste Gelegenheiten, denen wir nachtrauern, verheulte Erlebnisse und begrabene Wünsche entgegen. Allesamt wild schreiend, mit Zigarette in der Hand und sich Bier über den Kopf schüttend.

Wir machen es niemanden leicht, der uns durchschauen will. Wer hartnäckig bleibt, den lächeln wir freundlich an und lotsen ihn weiter in unser intellektuelles Vorzimmer, in dem es nichts als Oberflächlichkeiten gibt. Nichtssagende Gesprächsthemen und im schlimmsten Fall droht dem Neugierigen die totale Abweisung. Irgendwann haben wir gelesen „Alles ist gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende.“ Es wurde unser Dogma. Vielleicht sind wir schon so weit sagen zu können: Uns haut nichts mehr um. Und wenn doch? Egal. Jedes Mal, wenn wir auf die Fresse fallen, stehen wir doch noch mal auf. Einfach um mal zu gucken, ob da nicht doch noch irgendwas ist. Irgendwas gutes. Und dann finden wir auch etwas.
In kleinen Ecken hat es sich versteckt, wartet bei einem simplen Kaffee auf uns, oder wenn die Stadt in manchen Nächten friedlich daliegt. Ruhig, als könnte sie niemanden etwas anhaben. Dann haben wir das Gefühl, irgendwo angekommen zu sein. Wir lassen uns selten etwas sagen, bekehren oder bevormunden. Wir sind davon überzeugt, dass ein Fluch auf das Haupt eines jeden Menschen trifft, der versucht seine Freunde zu verkuppeln. Wir haben unsere Egos hin und wieder definiert, um die Definition dann doch wieder zu verwerfen. Mehr als ein Mal haben wir unsere Herzen auf den Tisch geknallt und gehofft, dass sich irgendjemand dieses kleinen, pumpenden Muskels annimmt.

Wir stecken da schon drin. Mittendrin. Und begreifen, was wir alles verabsäumt haben, weil wir nicht genau hingesehen haben, daran vorbeigelaufen sind. Wir haben die Ausfahrt verpasst und befinden uns manchmal auf einer ganz neuen Strecke. Manchmal drehen wir um und fahren die bekannte Strecke wieder entlang, nur um dann zu sagen: Kackt doch der Hund drauf! Biegen wir bei der Ausfahrt „Suburbia“ wieder ab. Hier ist es langweilig. Haben wir alles schon gesehen. Dann schwingen wir uns auf den Zeitgeistexpress und fahren eine Weile mit. Machen die Fenster auf und lassen unser Gesicht vom Fahrtwind streicheln, bis uns auch dieses Geruckel zu monoton wird und wir uns erst mal auf´s Ohr hauen. Eine Runde schlafen. Genug gesehen für die nächste Zeit. Daran können und wollen wir nichts ändern, daran gibt es auch nicht viel zu verstehen. Es passt uns eben gerade in den Kram. Wir nehmen uns eben Zeit um das Leben kennen zu lernen. Es lockt uns sowieso immer nach draußen, immer woanders hin und immer zurück. Dann ist klar: alles, so wie es immer war. Du hier und ich da.

Ich
Ich habe gesagt: Wenn die Verliebtheit verschwunden ist, dann entdeckst du am anderen die Kleinigkeiten. Und wenn diese Kleinigkeiten dich dann noch immer nicht stören, dann ist das erst die Liebe. Ich habe Heimweh. Tiefes, schmerzhaftes, ganz und gar ehrliches Heimweh. Aber bin ich erst mal da angelangt, an diesem kleinen Ort, der für mich eine ganze Welt ist und mir zum Millionsten Mal überlege, wie es wäre, würde ich Wien aufgeben, dann kann ich nie aus ganzem Herzen JA sagen. Ich komme nirgendwo an und bin nie richtig fort. Das ist Psycho, aber gut so. Ich hab´s gern so.

Ich kann meine Welt in drei Wörtern erklären und wenn jemand sagt, das ist zu wenig, dann definiere ich „zu wenig“ einfach um. Dieses Bild, das die meisten von mir haben – soll das wirklich Ich sein? Na dann herzlichen Glückwünsch! Da dreh ich mich lieber um und geh zu Leuten, die zugeben, dass sie nicht halten, was sie versprechen, weil sie selbst nicht glauben, was sie sagen. Ich kann nicht alles verstehen, nicht alles begründen und ich habe nicht auf alles eine Antwort. Aber ich schreibe über dieses Nichts und das alles mit einer Obsession. Für mich. Und wenn ich eines Tages am Neusiedler See, auf einem Barhocker oder inmitten von Leuten sitze, aufstehe und sage „Ich habe zu alldem nichts mehr zu sagen und nichts mehr zu schreiben.“, dann habe ich meine Schreiberseele begraben. Fortan würde ich nur noch grundlos durch das Leben gehen und nicht mehr zulassen, dass irgendjemand oder irgendwas in meinen Kopf kommt und Spuren in meinen Gedanken hinterlässt.

Du
Du bist die Coke Light Schwester und die Skype-Connection. Du bist die, die in Situationen in denen mein Hitzkopf mal wieder explodiert, Ruhe bewahrt und mit einer mir unverständlichen, endlosen Geduld das „Ausweg“ Schildchen hoch hält, bis alles wieder gut ist. Der größte Fehler an dir ist wahrscheinlich, dass du dir K11 ansiehst. Du bist mit zwei Dingen bedacht worden, die man eher selten an Frauen findet: Filmgeschmack und bösartigem Humor. Du hast so viel Humor, dass du dich manchmal auch selbst auslachen kannst. Manche Filme sind in meinem Kopf unweigerlich und bis in alle Ewigkeit mit dir verbunden. Zum Beispiel Bedazzled und Pirates of the Carribean 2. Manchmal sagst du Dinge, bei denen ich am liebsten rufen würde: Eine Machete für dein intellektuelles Dickicht! Und wenn du wieder mal meine Lasten mit trägst und dich mit meinen Feinden schlägst, dann würde ich am liebsten mit einem LKW bei dir vorbeikommen, beladen mit Coke Light, Mentos und Firn Zuckerln.

Freitag, 2. Mai 2008

AUS DER SERIE "DINGE, DIE DIREKT AUS DER HÖLLE KOMMEN". KAPITEL 1: DIE KAFFEEMASCHINE

Auszug aus dem Skype-Chat:

C: Hast du mich lieb?
M: *seufz*
C: Halloooooo? :-(
M: Du fragst doch nur aus einem einzigen Grund. Es ist dir egal, ob ich dich lieb habe oder nicht (und btw: momentan hab ich dich so gar nicht lieb), weil du nämlich etwas von mir willst.
C: Stimmt ja gar nicht! Ich will nur hören, dass mich wer lieb hat :-)
M: ....Mhm. Du unglaubwürdiges kleines Luder.
C: Danke! Eine Frage noch: Wenn du mich wieder lieb hast und das ist bestimmt bald, nimmst du mir dann aus New York das iPhone mit? Oder den iTouch?
M: HERR IM HIMMEL HILF! Wenn du stirbst, dann werden sich deine letzten Worte noch immer um das iPhone drehen.

Sehen Sie liebe Leser? Ich bin hier das Opfer. Dabei habe ich gestern noch alle 345 Blumen von Herrn M. gegossen, der ja mindestens noch 4 Wochen außer Landes ist. Und dann bekomme ich noch nichtmal das iPhone! ICH BRAUCHE DAS iPHONE! Und während ich mich der Vorstellung hingab, wie mich alle wegen meines Hi-Tech Gerätes hassen, wollte ich es mir gestern nach dem Blumengießen noch im M´schen Domizil gemütlich machen. Das Wetter ließ zwar ein Sonnenbad auf der Dachterasse nicht zu, dafür habe ich es mir mit einem Stapel Magazine auf seiner Couch bequem gemacht, die Surroundanlage angeschaltet und wollte mir einen Kaffee zu meiner Zigarette gönnen.

Dies bedeutet natürlich zwingend, dass ich mich mit seiner Kaffeemaschine befassen muss. Ich hasse dieses Drecksding. Diese Maschine kann alles. Espresso, Latte Machiatto, extra groß, extra klein, zwei Tassen, eine Tasse, Milchschaum, etc. Das Problem an der Sache ist: Die will irgendeine Leistung, bevor sie Kaffee macht! Jedes Mal, wenn ich mit meiner "I LOVE JOHNNY DEPP" - Tasse zu ihr trabe steht auf diesem Besserwisser-Display entweder "Bohnen aus" oder "Wasser aus" oder "Entkalken". Herrschaftszeiten! Diese Maschine führt einen persönlichen Krieg gegen mich. Ich bin die Einzige, die immer erst arbeiten muss, bevor sie mir Kaffee gibt. Jeder andere nimmt sein Häferl, stellt es hin, sucht sich die Zubereitungsart aus, drückt auf den Knopf und schon fließt warmer Kaffee aus ihr raus. Nicht bei mir. Sie hat das noch nie getan! Mehrmals wollte ich sie schon überlisten und schickte jemand anderen Kaffee holen, aber auch dann streikte sie.

Gut. Ich habe ja damit gerechnet, dass ich wieder meinen Beitrag leisten musste. Ich gebe ihr also Bohnen, fülle Wasser nach und suche die schweineteuren Entkalkungstabletten in der ganzen Küche. Dann...endlich! Ich bin fertig. Ich stelle meine Johnny Depp Tasse hin, entscheide mich für einen Latte und drücke den Knopf. Vor lauter Erregung und Vorfreude auf die braune Brühe bekomme ich Herzklopfen, aber....nichts. Es tut sich nichts. Ich schalte die Maschine ein und wieder aus. Nichts. Ich bitte sie höflich: Du hast doch alles von mir bekommen, was du möchtest! Jetzt hätte ich gerne einen kleinen Gefallen von dir!" Nichts. Ich werde bestimmt: "Gut du kleine Schlampe! Mach mir jetzt Kaffee oder ich zieh den Stecker!" Nichts. Ich flehe, drohe, bitte, befehle und weine sogar fast. Nichts.
Während die Kaffeemaschine und ich unseren Konflikt versuchen zu lösen, höre ich auf einmal Schritte im Vorzimmer. Ich erstarre. Wer sollte denn sonst noch den Schlüssel haben? Ich bin doch die Blumengießer-Beauftragte, die Hunde sind bei M´s Lebensgefährten. Es gäbe also für niemanden einen Grund sich in dieser Wohnung aufzuhalten.
Ich stelle fest: Ich werde bestimmt gleich das Opfer eines Einbrechers. Ob er bewaffnet ist? Will er Geld oder Leben? Sieht er gut aus? Die Schritte gehen vom Vorzimmer in das Gästezimmer. Er scheint sich da drin umzusehen. Ha! So ein Penner! Weiß doch jeder Amateur, dass die teuren Sachen im Safe hinter dem Bild hängen. Und der Safe befindet sich natürlich immer im Wohnzimmer. Huch! Was, wenn er von mir die Kombination wissen will? Was, wenn es da drinnen gar keinen Safe gibt? Ich hab´s doch selbst immer nur im Film gesehen.
Ich höre, wie er aus dem Arbeitszimmer wieder ins Vorzimmer geht. Ich muss mich bewaffnen, bevor der Räuber gleich in die Küche kommt. Oder soll ich mich im Abfalleimer verstecken? Ich entschließe mich für beides: Bewaffnen UND später verstecken. Ich ziehe die Schublade leise auf. Lange Messer, kurze Messer, stumpfe Messer, scharfe Messer, Gabeln, Löffel...alles da, was man sich in so einer Küchenlade erwartet. Ich habe irgendwie Angst davor wirklich ein Messer zu verwenden. Am Ende bringe ich mich damit noch selber um, also entscheide ich mich für eine Parmesanreibe und den Schneebesen. So "bewaffnet" stelle ich mich in den Türstock und linse vorsichtig um die Ecke. Nichts zu sehen. Ich ziehe meinen Hals in eine giraffenartige Länge und schiele noch weiter auf den Gang hinaus. Und da steht er! Der Kerl öffnet die Post von M.! Vor lauter Schreck ziehe ich den Kopf zu schnell wieder ein und donnere damit gegen den Türstock. Ich muss vor Schmerz schreien. Der Einbrecher, mindestens genau so erschrocken wie ich, lässt all die Briefe fallen, stößt einen Schreckenschrei aus und zieht den Kopf vor dem heranfliegenden Schneebesen ein, den ich zur Abwehr in seine Richtung geworfen habe. Ich hole gerade mit der Parmesanreibe aus, als ich erkenne, dass es sich um Marius handelt. M´s Lebensgefährten.

Er sieht mich an, wie man Menschen nunmal ansieht, von denen man mit einem Schneebesen und einer Parmesanreibe bedroht wurde. Als würde ich eine Gummizelle und Opium viel dringender benötigen als irgendetwas anderes.
Ich habe mich also mal wieder zum Affen gemacht. Betreten und beschämt sehe ich auf die Parmesanreibe, die noch immer in meiner Hand ist und bin aber irgendwie doch froh, dass ich nicht, wie es Beatrix Kiddo in Kill Bill getan hätte, das Fleischermesser mit der 25cm Klinge genommen habe. Mein einziger Trost ist, dass M. wie eine Frau schreit. Aber ich glaube, das dürfte ihm ziemlich egal sein - immerhin liegt er mit einem roten Kopf auf der Couch und hält sich den Bauch vor Lachen. Er kriegt kaum Luft, weil er zwischen seinen Lachanfällen "Schneebesen" stammelt. Möchte ihm vor lauter Zorn den Hals zudrücken, bis seine Gesichtsfarbe lila wird.
Nachdem er eine Weile gelacht hat, bitte ich ihn sich die Kaffeemaschine mal anzusehen, weil sie einfach nicht funktioniert. Wir gehen in die Küche, er stellt sich vor die Maschine und sagt: Wieso? Was soll denn nicht funktionieren? Das Display sagt "Bitte wählen". Er drückt auf den "Mach Kaffee"-Knopf und, siehe da, es läuft auch welcher in meine Tasse. Wutentbrannt ziehe ich die Tasse weg und verlasse die Küche. Jedoch nicht, ohne dieser Höllenmaschine den Mittelfinger zu zeigen.

Donnerstag, 1. Mai 2008

ICH BIN EINE FRAU. ODER DOCH EIN MANN?

Hoppla, da kugelte ein Stöckchen in meiner Mailbox rum. Na dann mal los.

Das Y-Chromosom in mir:
Ich bin kein Multitasking Genie.

Ich finde die meisten Sumpfhühner und ihr ewiges Gegackere unerträglich.

Ich kann meine Sätze auf das Wesentliche konzentrieren und erwähne nicht drei Milliarden unnötige Nebensächlichkeiten.

Ich find Männergespräche sowieso viel besser als Frauengespräche.

Ich kann Autofahren.

Nach der Arbeit brauche ich erstmal eine halbe Stunde und bis zu zwei Zigaretten, bevor mich irgendjemand blöde von der Seite anlabern kann. Ansonsten droht die Enthauptung mittels Laserschwert.

Das X-Chromosom in mir:
Ich liebe Taschen und Schuhe. Nein, eigentlich liebe ich Schuhe viel mehr als Taschen.

Ich gebe ohne mit der Wimper zu zucken € 198 für Gucci Sneaker aus (Tatort: Sale beim Wunderl. Man beachte das Wörtchen „Sale“ und sehe sich dann noch mal den Preis für die Sneaker an.).

Haha. Ja ich weiß, dass ich ballaballa bin! Wenn ihr wüsstet, was ich noch für Schuhe in meinem Kasten stehen habe.

Mir fehlt die Fähigkeit zum räumlichen Denken. Ein Beispiel: Wenn ihr mir erzählt, dass irgendeine Fläche (euer Balkon oder so) 5m² groß ist, dann stelle ich mir darunter eine Schuhschachtel vor. Ganz schlimm wird´s erst bei Hektar. Bitte! An alle Hausbesitzer und jene die es werden wollen: Wenn ihr mir sagt „Mein Garten ist 5 Hektar groß“, dann kann ich mir darunter nichts vorstellen. Ehrlich. In meinem Kopf taucht dann nur das Bild einer grünen Wiese mit ein paar Bäumchen auf, aber keine eingegrenzte Fläche. Wenn ihr mir euren Reichtum in Form von Immobilien näher bringen wollt, dann sagt: Mein Garten ist so groß, wie der Schlosspark von Versailles. Oder: Mein Balkon ist so groß, da kannst du dich gemütlich in die Hängematte legen und ein paar Zigaretten rauchen. Daneben hat außerdem noch ein Ikea-Tischen Platz, wo du dein Getränk abstellen kannst.

Ich kann 5-minütlich meine Laune wechseln.

Möge Gott jener Person Gnade erteilen, die mich während meiner PMS-Phase reizt, denn ich werde es nicht tun.

Ich werfe das Stöckchen nicht weiter, sondern lass es da liegen. Soll sich bedienen, wer will.

Sonntag, 27. April 2008

STOLPERN UND POLTERN

Meine Fresse, Mai ist wirklich der Hochzeitsmonat. Gestern Abend stolperten gleich zwei Poltergruppen in die Krugers Bar. Erst eine Horde Frauen, die durch lautes Gekreische, Quietschen und hysterisches Lachen meine genervten Blicke auf sich zog. Da will man friedlich in sich hinein trinken, große Philosophien auswälzen und dann wird man von einer Horde aufgescheuchter Hühner aus seinem intellektuellen, geistreichen, witzigem Gespräch gerissen.

Ich vertrete zu den Themen Verlobung, Polterabend und Heirat folgende Einstellung: Wenn du es machst, dann mach es cool. Fangen wir beim Polterabend an: Sollte ich jemals, irgendwann in diesem Leben, diesem Universum, poltern müssen, so sähe das Spektakel folgendermaßen aus: meine Crew und ich würden in meine Stammbar einfallen und uns dort auf die grüne Insel (Green Island, Cocktail. Anmerkung der Verfasserin) setzen, bis wir unsere Namen nicht mehr wissen. Hernach bringt uns eine Stretchlimousine in irgendeinen Club, wo wir uns den Rausch aus den Leibern tanzen. Ein paar männliche Models, die extra für diesen Abend gebucht wurden, reißen sich vor Arbeitsbeginn die Hemden von den Sixpack-gestählten Körpern und hofiert und serviciert mich fortan „oben ohne“. Spätmorgens, wenn ich aus dem Discotempel krieche, grase ich dann die Striptease-Clubs dieser Stadt ab, bis ich meinen Ehemann in spe finde. Ich ziehe seinen Kopf aus dem Dekollté der Stripperin, zücke seine Kreditkarte, zahle damit die Rechnung, wecke seine Freunde auf, die alle mit dem Gesicht am Tisch eingeschlafen sind, stecke sie ihn Taxis und schleppe den Kerl, der zu mir gehört nach Hause. So ungefähr wird das ablaufen. Glaube ich. Befürchte ich.

Gut. Soviel zu meiner persönlichen Polterabend-Phantasie. Widmen wir uns nun der zweiten Poltergruppe. Zehn Männer und eine Gummipuppe betreten die Bar. Betrunken, aber gelassen. Kein Schreien. Gefällt mir schon besser. Wir kommen ins Gespräch. Man erzählt mir, dass die klischeehafte Gummipuppe deshalb dabei ist, weil der Bräutigam keine nackten Frauen wünscht. Also keine Stripperin und keinen Besuch in einer Striptease Bar. Ich überzeuge den Club der Söhne von der Notwendigkeit dieses Besuchs und erkläre ihnen, welches Etablissement sie mit viel Geld besuchen sollen und welches mit wenig Geld. Meine Güte, ich brauche langsam einen Aufpasser, der mir die Fresse zuhält, wenn ich betrunken bin. Glaube, ich habe eine Ehe zerstört, bevor sie überhaupt angefangen hat. Sollte vielleicht aufhören zu trinken. Oder aufhören zu reden. Eins von beiden aber zwingend!

Ein pikantes Detail ist noch zu erwähnen: die Frauen-Poltergruppe und die Männer-Poltergruppe gehörten zusammen. Sie wussten voneinander nicht, dass sie im selben Lokal reserviert hatten. Die Frauen freuten sich. Die Männer nicht. Die Männer wollten gehen. Die Frauen ließen sie nicht. Alter, da würde ich mir total gearscht vorkommen. Wer will denn schon seinen Kerl beim Polterabend dabei haben? Und welcher Kerl seine Tussi? Ich persönlich würde mich nicht freuen, wenn die Tapete, die ich die nächsten 100 Jahre ansehen werde auf meinem Polterabend anwesend ist. Ich würde ihn und seine Truppe dazu nötigen zu gehen und zwar schneller, als ein Lämmchen mit dem Schwanz wackelt. Denn niemand trägt auf einer Party so viel zur Unterhaltung bei, wie diejenigen, die gar nicht da sind.

Irgendwann stolperte ich aus dem Krugers raus, nicht ohne einen letzten Seitenblick auf die vereinten Poltergruppen zu werfen. Die Männer tranken schweigend. Die Frauen quiekten und kreischten.
Himmel, ich muss dringend bald auf Urlaub fahren. Oder aus der Haut.

VON MOUNTAINBIKES, LITERATUR UND VÄTERN

Letztens habe ich mir das Mountainbike meines Vaters ausgeborgt. Natürlich nicht einfach so, denn es gab exakt die selbe Diskussion wie bei seinem Auto. Er ist der festen Überzeugung, dass ich weder mit seinem Wagen noch mit seinem MB fahren darf. Nicht, weil ich einen bedauerlichen Unfall haben könnte - primär ist es die Angst davor, dass das Auto einen Totalschaden erleidet. Dabei bin ich ein sehr guter Autofahrer (Selbsteinschätzung), wenn auch etwas forsch (Fremdmeinung).

Nachdem ich mir also erfolgreich das Mountainbike erstritt, trat ich in die Pedale. Ich radelte leichtfüßig die Triester Straße bergan Richtung Wienerberg und fragte mich, wann ich den Großglockner in Angriff nehme. War doch pillepalle, schafft jedes Kleinkind die Triester rauf zu radeln.
Für den Hochmut bezahlte ich relativ schnell und meiner Meinung nach viel zu viel. Die Steigung wurde zunehmend steiler, ich zunehmend demotivierter. Keuchend, schwitzend, zitternd und fest entschlossen meine Lungen demnächst auf Vordermann zu bringen (Definition "demnächst": 6 Monate bis nie), gab ich das Mountainbike seinem Besitzer zurück.

Etwas später, bei einer Muratti unnd einem Café Latte...
Ich verabschiedete ich mich von dem Gedanken einer Sportlerkarriere. Außerdem: hätte ich damit nicht spätestens im Volksschulalter beginnen müssen? Täglich 12 Stunden trainieren, Mittags und Abends zwei Kilo Kartoffeln mit Gemüse zum Essen. Keine Freunde, keine Freizeit, keine Süßigkeiten. Dafür mit 17 schon einen eigenen Fuhrpark (Deutsche, TransAm´s, Italiener), drei Häuser (St. Moritz, Cannes, Kitzbühel), Angestellte (Südamerika), und Designer (Italiener, Franzosen) schicken mir eine Auswahl der neuesten Saisonmode nach Hause.
Auf der anderen Seite: drei abgebrochene Entzugstherapien, ständig wechselnde Partner und regelmäßige, therapeutische Behandlung (Warum hat mich Mami nicht lieb, wenn ich verliere?). Will man das wirklich?

Dann doch lieber Schriftsteller werden und ein Buch rausbringen. Oder Buchkritiker. Warum Buchkritiker? Eines Abends las ich auf der FM4 Homepage einen Artikel über T. Glavinic´s neues Buch "Das bin doch ich". Darin wurde eine der wenigen guten Stellen wiedergegeben und es machte mich neugierig. Tags darauf erneut eine durchwegs positive Kritik auf orf.at gesehen, sowie einen Fernsehbeitrag. Das Buch habe ich dann trotzdem wieder vergessen, aber beim Libro darüber gestolpert und gekauft.
Was soll ich sagen? Ich hätte die 20 Euro genausogut in die Tonne kloppen können.

Es handelt sich um eine Art "Tagebuch" oder "Alltagsgeschichten". Hätte mich an sich nicht gestört. Ich lese gerne, was andere erleben oder beschäftigt, außerdem soll es sich laut diverser Rezensionen um einen äußerst witzigen Erzählstil handeln. Ich habe das Buch also in Erwartung eines feudalen Feuerwerks an Humor und Esprit aufgeschlagen und wurde enttäuscht.

Nein, ich war nicht sofort enttäuscht. Wenn mir ein Buch nicht gefällt, suche ich den Fehler immer erst bei mir. Ich habe nämlich vor Leuten Respekt, deren Geschreibsel veröffentlicht wird. Die müssen gut sein und ich bin der Dilletant. Die anderen Leser haben Humor und den richtigen Zugang und nur ich bin seltsam. Nicht die Zielgruppe. Zu ungeduldig! Zu unreif! Dann wurde ich wütend und legte das Buch weg. Nachdem ich bereits mehrere Seiten übersprungen, mal hier und mal da reingelesen habe, vor und zurück blätterte, konnte ich mir schlussendlich glücklicherweise eingestehen: Langweilig!
Bis auf ein paar Stellen gänzlich humorfrei (was meinen Geschmack betrifft) und inhaltlich sinnentleert. Mich interessieren keine Besäufnisse im Kreise der Intellektuellen-Elite oder dass dem Söhnchen scheinbar die Fähigkeit zum Schlafen fehlt. Auch die missglückten Taxifahrten sind für mich weder witzig, noch haben sie einen essentiellen Grund um überhaupt den Platz auf diesen Seiten einzunehmen!

Dann noch die Erwähnung des bekifften Nachbarn. Ist das überhaupt noch witzig, bekiffte Personen in seine Geschichten einfließen zu lassen? Muss ich mir einen Joint reinziehen um so viel lachen zu können, wie die meisten Leser vor mir? Was rechtfertigt den Preis von 20 Euro (für das Buch, nicht die Drogen)? Um das Geld bekomm ich doch schon ein paar Gramm...

Also, es tut mir leid, aber mir gefällt das Buch nicht. Vielleicht bin ich aber wirklich nur zu ungeduldig, zu unreif, zu seltsam für dieses Schriftstück. Oder habe schlichtweg einen gänzlich anderen Humor als viele, viele, viele andere Leute, die sich ja scheinbar angepisst haben vor Lachen. Das würde widerum bestätigen, dass ich seltsam bin. Was soll´s.

Kommen wir zu zwei Büchern, die mich in den letzten Monaten "emotional getouched" haben: Philipp Roth - Mein Leben als Sohn. Gekauft habe ich mir dieses Buch aus zwei Gründen:
- weil ich beim Blättern im Morawa auf eine Textpassage gestoßen bin, mit der ich genau so und nicht anders meine eigene Beziehung zu meinem Vater beschreiben kann: Er war nicht irgendein Vater, er war DER Vater, mit allem, was es an einem Vater zu hassen gibt, und allem, was es an einem Vater zu lieben gibt.
- und dann war da noch der Klappentext, der einfach nur einen Punkt in mir berührt hat: Ich werde immer als sein kleiner Sohn leben, mit dem Gewissen eines kleinen Sohnes, so wie er immer lebendig bleiben wird, nicht nur als mein Vater, sondern als der Vater, der zu Gericht sitzt über alles, was immer ich tue...
Dazu keine weiteren Erklärungen. Kaufen! Lesen!

Außerdem: Billy Corgan - Blinking with Fists.
Gefühlvolle Gedichte, intelligente Wortspiele, Tränendrücker und Hoffnungsgeber vom Frontman der Smashing Pumpkins. Depression kann Spaß machen!

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